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Handwerkerbund Norderney

Im Oktober 1919 wurde in Hannover der Nordwestdeutsche Handwerkerbund, "als politische Kampf- und Abwehrorganisationdes deutschen Handwerks" gegründet. Die Initiative zur Gründung einer Norderneyer Ortsgruppe des Handwerkerbundes ging von Mitgliedern der im gleich Jahr gegründeten "Maler- und Glaser-Zwangsinnung" aus. Vorbereitend fand am 16. Dezember des Jahres im Hotel Bruns ein "aufklärender Vortrag" mit dem Geschäftsführer des Niedersächsischen Handwerkerbundes J. Dupree-Emden statt. Dazu waren die Mitglieder der Innungen und des Arbeitgeberverbandes sowie alle nichtorganisierten selbständigen Handwerker geladen.

Die Gründung des Handwerkerbundes geschah vor dem Hintergrund der mit dem Zusammenbruch des Kaiserreiches einhergehenden politischen Veränderungen, in denen sich das Handwerk nicht mehr genügend berücksichtigt sah bzw. in den Sog des Klassenkampfes zwischen Arbeiter und Unternehmer hineingezogen wurde. Dem Handwerkerbund gehörten auf Norderney zunächst nur 16 Mitglieder an, weil der grüßte Teil der ehemals selbständigen Handwerksmeister noch als Arbeiter auf dem hiesigen Seefliegerhorst beschäftigt und im Arbeitnehmerverband organisiert war.

Bereits 1920 machten sich 11 Handwerker selbständig oder eröffneten ihren Betrieb neu. Ein vergleichbarer Gründungsboom mit jährlich 6-10 Betriebsgründungen ist auch in den Jahren 1925 bis 1927 bzw. 1931 bis 1935 festzustellen. Demgegenüber mußten 1923 durch die Inflation, welche die Kapitalrücklagen vernichtete und die Betriebsgelder aufzehrte, verschiedene Handwerksbetriebe schließen. In eine ähnliche Krise geriet das Handwerk mit dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft in den Jahren 1929 und 1931. Der "Börsenkrach" hatte erhebliche politische, wirtschaftliche und soziale Folgen für das Deutsche Reich und führte zu einem "Millionenheer" von Arbeitslosen. Im Handwerk litten besonders das Bau- und Baunebengewerbe unter dieser Depression. Die allgemeine Einkommensminderung traf besonders die vom Fremdenverkehr lebenden Ostfriesischen Inseln. Stagnierende Besucherzahlen und eine wesentlich verkürzte Aufenthaltsdauer der Gäste wirkten sich auch sehr nachteilig für das Handwerk aus, da weniger Aufträge eingingen. In den Jahren zuvor waren über Bedarf Lehrlinge ausgebildet worden und konnten mit Beginn der Krise nicht weiter beschäftigt werden. In den Vorjahren neugegründete Betriebe mußten aufgeben. Die Zunahme der Schwarzarbeit und die starke Konkurrenz der Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte, wobei der Kunde Fabrikware solider Handwerksarbeit vorzog, setzten dem Handwerk schwer zu.


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100 Jahre
Ortshandwerkerschaft

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