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Norderney Kurier (Serie erschien vom 01.09.2017 - 13.10.2017)

Flaggen wehen über drei Häusern

Diese Serie wird eine Art Biografie alter Häuser, deren Besitzer Norderneyer sind, die ihren Lebensunterhalt und den Erhalt des Hauses damit erarbeiten - so wie ihre Vorbesitzer es taten.
In heutiger Zeit sind sie ein seltener Anblick: drei Norderneyer Fahnen, die in direkter Nachbarschaft am Mast ihrer alten Norderneyer Häuser hängen im Ortskern und in einer noch ruhigen Wohngegend auf unserer Insel.
Jedes der drei Häuser ist über 125 Jahre alt und hat sich im Kern seines Bestehens nicht verändert. Sie haben zwei große Weltkriege überstanden, mussten sechs Währungsreformen steuerlich aushalten und nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Besitzwert noch einmal an den Staat für den auferlegten Lastenausgleich bezahlen. Die Häuser sind von den Norderneyer Baufirmen Eduard Mundt (Josefstraße 28) und Lühr Rass (Benekestraße 56) um 1892 gebaut worden. Durch ihre solide Bauweise (Holz-balkendecken mit Holzdielen, Holztreppen, Mauerwerk mit zweimal Ein- oder Halb-Stein und Luftschicht) ist das Wohnklima hervorragend. Allein beim Öffnen der Haustür kommt einem eine gefühlte Wärme entgegen, die man sofort als angenehm empfindet.
Alle bisherigen Eigentümer haben lange Jahre dort ihre Existenz, ihre Wohnung und ihr persönliches Glück gefunden - so ist es auch heute noch. Eine Familie lebt jetzt in vierter Generation im Haus. Ausnahmslos haben die Häuser von Anfang an bis heute zusätzlich zu den Pensionsgästen auch Norderneyer Familien oder Einzelpersonen als Mieter eine Bleibe gegeben.
Diese drei Häuser sind immer von Norderneyern an Norderneyer weiterverkauft worden, wobei der Kauf eine nachbarschaftliche und menschliche Rolle gespielt hat, denn das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer war von vorhergehender langer Bekanntschaft und großem Vertrauen geprägt.
Die bisherigen Eigentümer haben während ihrer Besitzertätigkeit alles nach ihrer finanziellen Situation getan, um ihre Häuser vor Verfall zu schützen. Leider haben der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit die Häuser sehr in Mitleidenschaft gezogen.
Die im Laufe der Jahre eingedrungene Feuchtigkeit im Mauerwerk und die natürlichen abgängigen Substanzen konnten mit den neuen Materialien nach Einführung der DM seit 1948 gut behoben werden, sodass heute zum Beispiel in der westlichen Benekestraße ein gutes Erscheinungsbild zu sehen ist.
Die jetzigen Besitzer und Mitbewohner freuen sich jedenTag, dass sie um ihr Haus herumlaufen können, dass sie einen kleinen Vorgarten (Lüttji Tuun) und einen Hof besitzen, der ihnen Platz bietet, um ihre Utensilien wie Fahrräder, Müllkübel, Handwagen und auch Autos für den täglichen Gebrauch abstellen zu können.
Auch der Blumenschmuck rund um ihre Häuser und auf den Fensterbänken strahlen Zufriedenheit gepaart mit Gemütlichkeit aus. Das regelmäßige Straßefegen des Bürgersteiges ist für die Besitzer normal, denn diese Eigenschaft gehört seit eh und je zur ersten Bürgerpflicht eines Norderneyer Hausbesitzers. Auch die Straßenbäume werden gehegt und gepflegt, denn ihre großen Blätter spenden im Sommer Schatten und ersparen den Besitzern eine Markise. Die "Pferdestraße" (Fahrbahn) mit ihrer alten Klinkerpflasterung und die im Laufe der Zeit entstandenen Vertiefungen (Pfützen) geben den Bäumen durch eine langsame Versickerung des Regenwassers zusätzliche Wassernahrung.
Zwei Häuser haben bei Renovierungsarbeiten einen Eichen-Eingangstürstock bekommen, auf dem mit einem Stecheisen eingeschnitzt steht: "Do wat du wult, de Lüü snakt doch" (Tu was du willst, die Leute reden doch) und "Uns oll Huus is woll lüttjed, aver moi" (Unser altes Haus ist zwar klein, aber schön).

"Haus Lenz" in der Benekestraße 3
Das "Haus Lenz" in der Benekestraße 3: Der Küchenmeister Volker Lenz und seine Frau Maike machten 1988 aus dem ehemaligen Wohn- und Personalhaus ein Restaurant für Feinschmecker. Einer der Vorbesitzer hatte schon einmal einen Fahnemast im Vorgarten aufgestellt, der aber im Laufe der Zeit abgängig wurde. Der Eisenköcher stand noch. Küchenmeister Lenz besorgte sich zur Eröffnung seines neuen Lokals einen neuen Mast und zog zur Begrüßung der Gäste die Norderneyer Fahne auf. Im März 2014 verstarb Volker Lenz. Seine Frau Maike hält die Tradition mit der Fahne bei, nach dem Motto "Hier wohnt eine Norderneyerin".

"Huus Ostend" in der Benekestraße 56
Das "Huus Ostend" in der Benekestraße 56, Eigentümer: Ursula und Bonno Eberhardt. Bonno Eberhardt hatte sich zu seinem 50. Geburtstag einen sieben Meter langen Fahnenmast aus Alu-minium gewünscht. Schlossermeister Axel de Boer hat den passenden Masthalter, den sogenannten Köcher, nach alter Manier hergestellt. Eberhardt, von Beruf Klempnermeister, hat eine Kupferkugel angefertigt, die von seinem Ortshandwerkerkollegen, dem Malermeister Lothar Zilles, für "ein Appel und Ei" vergoldet wurde. Diese Kugel ziert heute den Mastkopf. Der Fahnenmast mit der Norderneyer Fahne in der Größe von einem mal eineinhalb Metern soll symbolisieren: "Hier wohnt ein Norderneyer."

"Huus Strandseiler" in der Benekestraße 4
"Huus Strandseiler" in der Benekestraße 4, Eigentümer: Hildegart Rossbach und Rosemarie Eber-hardt mit Kindern in einer Hausgemeinschaft. Als 1992 die neuen Eigentümer Rosemarie und Georg Eberhardt die rechte Haushälfte von der Familie Rossbach erworben hatten, stellten sie im Hofeingang einen Fahnenmast aus drei Zoll verzinktem Eisenrohr auf. Nur bei besonderen Anläs-sen wurden die Norderneyer oder diverse Nationalfahnen am Mast gehisst. Im Mai 2015 verstarb Georg Eberhardt, und nach einer längeren Zeit weht seit Frühjahr 2017 die Norderneyer Fahne das ganze Jahr über. Beim Besuch der Kinder aus dem Ausland wird die Schweizer oder die Vietnam-fahne hochgezogen. Symbolisieren soll die Zeremonie: "Hier bin ich zu Hause."


Alte Häusern der Insel

Start
Teil 1 - 01.09.2017
Teil 2 - 08.09.2017
Teil 3 - 15.09.2017
Teil 4 - 22.09.2017
Teil 5 - 29.09.2017
Teil 6 - 06.10.2017
Teil 7 - 13.10.2017
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