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Norderney Kurier (Serie erschien vom 01.09.2017 - 13.10.2017)

Ein guter Handwerker ernährt seinen Mann

Der Maurer Eduard Mundt heiratete Siever Renskea Onnen Aden. Beide kommen wahrschein-lich aus Upgant und wurden um 1884 auf Norderney sesshaft. Sie wohnten zunächst in der Josefstraße 28. Kurze Zeit später macht sich Mundt als Maurermeister selbstständig, kaufte das Grundstück von Bäckermeister Benno Meinders und baute sein Geschäftshaus an der Benekestraße 3. Aus dieser Ehe gingen neun Kinder hervor.
Spezialitäten von Meister Mundt waren der Säulenbau für Veranden und die Anfertigung von Verzierungen an den Fenster- und Türlaibungen. Hierfür ließ er sich Schablonen anfertigen mithilfe derer er durch immer wieder aufgetragene Zementmischung die endgültige Form der Dekore erzielte. Da es zu der Zeit noch keinen Beton auf der Insel gab, erstellte Mundt aus Steinsplitt und kleingeschlagenen Steinen seine Mischung für die Anfertigung großer Rundsäulen und kleiner Halbsäulen selber. Mundt hat die Zeit der Bäder-Baukultur genutzt und in der Blütezeit seines Unternehmens bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigt. Auch Gesellen der "Schwarz-Schlipser"-Zunft, die auf Wanderschaft waren, hat er bei Bedarf beschäftigt.
Leider hat keiner seiner Söhne sein Geschäft übernommen, und eine schwere Krankheit machte ihm im Alter zu schaffen. Seine Nachbarin Sofie Zinke, geb. Aden, pflegte seine Frau Siever Mundt, die in der Nachbarschaft nur Oma Mundt genannt wurde, bis zum Tode. Diese Bereitschaft zur Pflege beruhte auf einem langen Vertrauensverhältnis mit der Familie Mundt. Der Vater von Sofie Zinke, Gerd Aden, arbeitete viele Jahre in der Firma Mundt. Nach dem Tode von "Oma Mundt" verkauften ihre Kinder ihr Erbe und einige wurden auf Juist und in Wilhelmshaven sesshaft.
1954 ist im Norderneyer Adressbuch als Besitzer Cord von Alten aus Großgoltern für das Haus in der Benekestraße 3 eingetragen, ein Verwandter des Barons von Goltern. Von Alten nutzte das Haus nur für eigene Wohnzwecke seiner Familie. Der Baron verkaufte das Anwesen um 1960 an die Prakla GmbH aus Peine. Die Firma baute 1963 das Haus zu Personalzimmern um, die von der Norderneyerin Herta Motzkus bewirtschaftet wurden. Die Mitarbeiter der Firma, die seismische Sprengungen in der Nordsee durchführten, wurden von Herta Motzkus mit Vollverpflegung versorgt. Das Haus bekam einen neuen aus Glasbausteinen gemauerten Eingang an der linken Seite, sodass die Veranda jetzt auf ganzer Länge als Aufenthaltsraum genutzt werden konnte.
Nachdem die seismischen Sprengungen auf der Suche nach Ölfeldern nicht mehr erforderlich waren, verkaufte die Firma Prakla das Haus an den Norderneyer Ferdinand Visser. Visser, von Beruf Dekorateur, bewirtschaftete mit seiner Frau mehrere Pensionshäuser auf Norderney. Die Häuser "Delang" und "Luisenhof" hatte er gepachtet. Sein neu erworbenes Haus baute er zu einem Pensionshaus um.
Interessant war, dass beim Aufräumen der Kellerveranda die alten Werkzeuge und Schablonen vom Unternehmer Mundt zum Vorschein kamen. Auch die Kalkgrube auf dem Hof war noch vorhanden.
1988 verkaufte Ferdinand Visser das Haus an seine Tochter Maike und ihren Mann Volker Lenz. Die beiden waren jahrelang in der Schweiz beruflich tätig. Der Wunsch, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, wurde jetzt Wirklichkeit. Lenz baute sein Haus zu einem Feinschmecker-Restaurant aus. Der Architekt von der Baufirma Eilt Wessels, Gerd Kleemann, hatte ein Grundkonzept für den Bau entworfen.
Das Erdgeschoss wurde für das Lokal und die Küche hergerichtet. Der alte Hauseingang wurde wieder so bebaut, wie er 1884 entwickelt wurde. Ein Anbau zwischen den Grundstücken Lenz und der Tischlerei Hoppe wurde für die Kühlung der Rohware geschaffen. Im Obergeschoss waren die Wohnräume der Familie Lenz. Im Souterrain wurden Personalzimmer geschaffen. Auch eine Tiefgarage entstand, wobei gleichzeitig der Souterrain-Eingang, dervorher nicht vorhanden war, gebaut wurde.
Das Restaurant Lenz hatte innerhalb der Bevölkerung und seiner Gäste einen sehr guten Ruf. Volker Lenz war für die CDU Ratsherr im Stadtrat. Gleichzeitig war er im Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde tätig. Kurze Zeit nach seiner Pensionierung und Aufgabe seines Restaurants verstarb Volker Lenz im Jahre 2014. Heute gehört das Haus sei-ner Frau Maike und seiner Tochter.

Restaurant LenzNach dem Umbau zum Restaurant stand das Haus für ein gepflegtes Restaurant im englischen Landhausstil. Ab 1988 trug das Haus den Namen "Restaurant Lenz". Das blaue Hausnummernschild stammte noch aus der Gründerzeit. Damals waren die Schilder der Straßen und die Hausnummern aus emailliertem Blech gearbeitet. Blau-Weiß war gängig, man kann schon die Norderneyer Farben darin erkennen.

Küchenmeister Volker Lenz
Küchenmeister Volker Lenz in seiner Küche in voller Berufsgarnitur. Er legte allergrößten Wert auf die Sauberkeit seiner Küche und auch auf die seiner Mitarbeiter. Man kann auf dem Bild gut die Kochmütze Marke "Exzellent-Classic" mit Krone und gelegten Falten erkennen. Das Halstuch in Blau zeigt seine Liebe zur Heimatinsel seiner Frau Maike, die das Lokal leitete.

Bäume der Benekestraße
Der große Baum (Mitte) ist einer der gesündesten und ältesten Bäume der Benekestraße. Er wurde um 1937 gepflanzt. Das Grün der Bäume erhöht den Wert der Häuser.

kleines Hofparadies
Auch das gibt es noch im Ort: Ein kleines Hofparadies. Maike Lenz hat auch einen grünen Daumen.

Belegschaft der Baufirma Eduard Mundt
Das Foto zeigt die Belegschaft der Baufirma Eduard Mundt beim Umbau eines Wohn- und Geschäftshauses in den 1920er-Jahren auf der Insel. Die Handwerker, die noch zu erkennen sind: Wilhelm Lübben, Friedrichstraße 18 (1), Martin Fischer, Bügermeister Berghausstraße 38 (2), Ludwig Pauls jun., Luciusstraße 3 (3), Willi Janssen, Maibachstraße 22 (4), Lührs (5), Gerd Aden, Josef-straße 30 (6), Ludwig Pauls sen., Luciusstraße 3 (7), Meister Eduard Mundt, Benekestraße 3 (8). Die anderen Mitarbeiter sind "Schwarz-Schlipser" auf der Wanderschaft.

Haus Goltern
Haus Goltern: Nachdem der Baron von Goltern 1954 das Haus auf Norderney erworben hatte, bekam das Gebäude nach der Innenrenovierung einen neuen Kalk-Anstrich an der Außenfassade. Das Haus trägt jetzt den Namen "Haus Goltern". Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Interessant ist der kleine Ahornbaum, der 1937 von der Gemeinde gepflanzt wurden. Heute ist der Baum 80 Jahre alt.


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