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Norderney Kurier (Serie erschien vom 01.09.2017 - 13.10.2017)

Ein Haus gibt der Familie ein Heim

1892 kaufte der Malermeister Dominikus Albers das Grundstück Benekestraße 4 vom Bäckermeister Benno Meinders. Albers hatte sich zu der Zeit als Maler auf der Insel niedergelassen. Im gleichen Jahr baute er auf das neu erworbene Grundstück ein Wohn- und Pensionshaus mit Werkstatt. Errichtet wurde es wahrscheinlich von seinem Nachbarn, Maurermeister Eduard Mundt. Die typische Mundtsche-Bauweise wie am Nachbarhaus Nummer 3 lässt sich gut erkennen. Albers baute das Haus so, dass die Werkstatt unter der Veranda eingerichtet wurde. Da das Grundstück tiefer lag als die Oberkante der Beneke- und Luciusstraße, konnte das Kellergeschoss als Souterrain ausgebaut werden. Auch die Wirtschaftsräume für die von seiner Frau betriebene Pension wurden dort eingerichtet.
Die Familie Albers baute ihr Eckhaus nur an der Benekestraße. Das hatte den Vorteil, dass der große Garten mit Rasen hinter dem Haus zum Trocknen und Bleichen der Wäsche genutzt werden konnte. Um 1905 verkaufte Dominikus Albers sein Haus und erwarb ein großes Pensionshaus an der Knyphausenstraße 24. Die Ehe des Ehepaares Albers blieb kinderlos. Albers und seine Frau gehörten zu den ersten Neubürgern auf der Insel katholischen Glaubens.
Ab 1905 ist ein neuer Eigentümer im Adressbuch eingetragen. Der Privatier August Busch mit seinen Töchtern Johanna und Hedwig muss somit das Haus von der Familie Albers gekauft haben. Unter der Leitung von Johanna Busch wurde eine Kinderpension für Kinder besserer Stände im Haus eingerichtet. Diese Kinderpension wurde bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 betrieben. Danach wurde das Haus bis etwa 1935 als Pension mit Vollverpflegung genutzt,wobei der Überschuss der Einnahmen als Lebensunterhalt für die beiden Geschwister erwirtschaftet wurde. Das bedeutete, dass das eigene Haus als Broterwerb seine Aufgaben erfüllen musste.
Nach dem Tod von Johanna und Hedwig Busch erbte die Nichte Liselotte Rode das Haus. Ihr Mann war zu der Zeit Geschäftsführer im Seehospiz. Sie zogen jetzt in die Wohnung der Geschwister Busch ein und aus den Fremdenzimmern wurden Dauerwohnungen für Norderneyer. Liselotte Rode hatte eine gute Beziehung zu ihren Nachbarn. Im hohen Alter ließ sie sich auch von ihnen zu Sanierungsmaßnahmen am Haus beraten und so baute sich ein Vertrauensverhältnis auch mit den Kindern der Nachbarn auf. Liselotte Rode verließ um 1980 die Insel und zog nach Oldenburg in ein Haus für betreutes Wohnen, wo sie auch verstarb. Ihre beiden Töchter Hildegard Roßbach und Sigrid Cave (England) erbten je zur Hälfte das Anwesen und sind somit Eigentümerinnen.
1984 heirateten die Nachbarn Georg und Rosemarie Eberhardt. Da die Wohnung von Liselotte Rode leer stand, bezogen sie jetzt deren Wohnung. Der Sohn von Hildegard Roßbach und Georg Eberhardt waren schon als Kinder Freunde. 1992 kauften Georg und Rosemarie Eberhardt eine Haus- und Grundstückshälfte der Liegenschaft Benekestraße 4. Ab 1992 bildeten die jetzigen Eigentümer Hildegard Roßbach und Familie Eberhardt eine Hausgemeinschaft mit je einem eigenen Grundbuchblatt.
Solch eine Verkaufsangelegenheit bringt für beide Besitzer Vorteile. Da Hildegard Roßbach ihren Wohnsitz in Oldenburg hat, ist ihre Haushälfte an Norderneyer Einzelpersonen vermietet. Der andere Besitzer, heute Rosemarie Eberhardt und Kinder, hält das ganze gemeinschaftliche Anwesen in Ordnung und sorgt dafür, dass die Gemeinschaftskosten, wie Grundsteuer, Straßengebühren oder Versicherungen beglichen werden. Bei den Energiekosten hat jeder seinen eigenen Wasser-, Strom- und Gaszähler.
Die Bildung einer solchen Hausgemeinschaft ermöglicht es heute, dass eine junge Norderneyer Familie noch zu Eigentum kommen kann. Leider wird von dieser Möglichkeit wenig Gebrauch gemacht. Anzumerken ist noch, dass die Bausubstanz sich in den 125 Jahren nicht verändert hat, was auch Vorteile mit sich bringt.

Türstock am Huus Strandseiler
In diesem Frühjahr fertigte der junge Zimmermannsgeselle Hajo Eberhardt (Enkel von Bonno Eberhardt und Neffe von Rosemarie Eberhardt) aus Eiche diesen Türstock am Huus Strandseiler, Benekestraße 4, mit den Geschichtszahlen des Hauses. Jan Holtkamp von der Firma Stürenburg fertigte die Stieler an. Die "Salmiakpastillen" sind eine Inseltradition an Ost- und Nordsee. Weiß-Schwarz oben und Blau-Weiß unten sollen die Norderneyer Farben symbolisieren.

Holztür zum Haus Nummer 4
Vom Türstock (links) gelangt man zur ältesten Haustür der Benekestraße. Die Holztür zum Haus Nummer 4 fertigte 1892 die Tischlerei Hoppe & Jürgens in ihrer Werkstatt in der Josefstraße in reiner Handarbeit an. Heute, immerhin 125 Jahre später, gehen durch die Tür immer noch Menschen ein und aus. Das alte Türschloss ist zusätzlich mit einem Zylinderschloss versehen. Wegen des Gewichtes müssen die Türhängen jedes Jahr gefettet werden.

Eingang zu "Rosis Allee"
Wer einen eigenen Hofeingang hat, braucht keinen zu fragen, wenn er dem Eingangsweg den Namen seiner Liebsten gibt. Dem Eingang zu "Rosis Allee" sieht man das Alter nicht an.

der Garten hat sich in der Substanz seit 125 Jahren nicht verändert
Der ganze Stolz der Eigentümer ist ihr kleines Paradies. Auch der Garten hat sich in der Substanz seit 125 Jahren nicht verändert. Damals wie heute ist er auch Trockenplatz für die Wäsche denn von der Sonne getrocknete Wäsche ist "mulschiger".

Die westliche Benekestraße um 1904
Die westliche Benekestraße um 1904: Leider sind von der rechten Seite (von Westen aus) keine Bilder vorhanden. Interessant ist die Größe der Häuser: Die Deckenhöhe der Zimmer beträgt zirka 3,50 Meter. Dominikus Albers hat zunächst das Haus Benekestraße 4 gebaut und später das Haus Nummer 55 erworben. Das Haus war eine Kuranstalt des Militärs und der Fahnenmast mit einer weiß/blauen Wendelbemalung sollte symbolisieren: Hier ist das Militär zu Hause.

Haus Benekestraße 4
Nachdem die Familie Busch das Haus Benekestraße 4 von Dominikus Albers gekauft hatte, wurde hier eine Kinderpension eingerichtet. Fast zehn Jahre lang wurde das Haus so genutzt, was für die heutigen Eigentümer ein Glück ist, da der große Hofgarten erhalten blieb. Der Veranda-Keller, zu erkennen an den Maueröffnungen rechts, wurde als Trockenraum für die Wäsche genutzt. Die Öffnungen waren mit Maschendraht versehen und dienten der Luftzirkulation.


Alte Häusern der Insel

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Teil 6 - 06.10.2017
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