Norderney
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Norderney Kurier (Serie erschien vom 01.09.2017 - 13.10.2017)

Norderney, wo gehst du hin?

Wenn man die Geschichte von Häusern schreibt, kommen auch Gedanken über die Inselbewohner, darüber, wie sie in diesen Häusern gelebt haben und wie sich ihr Leben entwickelt hat. Zunächst stellt sich die Frage: Kann ich auf einer Insel wie Norderney mein Leben gestalten und kann ich mich dort ernähren? Dr. Hermann Soeke Bakker beschreibt ausführlich den Werdegang der Insulaner in seinem Buch "Vom Fischerdorf zum Nordseebad". Heute steht die "Weiße Industrie", also der Tourismus als Erwerbsquelle an oberster Stelle. Alle Bewohner, die noch im Erwerbsleben sind, beziehen ihr Einkommen direkt oder indirekt von den Gästen, die hier eine Kur machen oder einen Urlaub verbringen. Das bedeutet für die Einwohner, dass sie alle an einem Strang ziehen sollten. Leider ist das in manchen Dingen nicht so.
Die ersten Aufzeichnungen von Einwohnerzahlen begann 1785. Von 1785 bis 1800 waren auf Norderney im Durchschnitt 540 Personen gemeldet. Die Haupterwerbsquelle war der Fischfang, und etwa 250 Kurgäste im Jahr fanden auf der Insel eine Herberge. Ernährt haben sich die Bewohner vom Fischverkauf auf dem Festland und der Bewirtschaftung von Dünengärten sowie Kleinviehhaltung.
Erst 1834 war die 1.000er-Marke an zugezogenen Bürgern erreicht und um 1900 lebten schon 4.038 Einwohner auf Norderney. Diese gewaltige Expansion des Ortsbildes wurde in fast 65 Jahren durch Bodenspekulation und den Verkauf von Grundstücken durch den Staat hervorgerufen.
Der Fischfang ging zurück, und die Gästezahl lag bald bei 26.000 gemeldeten Kurgästen. Immer mehr große Hotels entstanden. Die arbeitende Bevölkerung ging einem Handwerk nach oder war bei der Kurverwaltung und sonstigen staatlichen Betrieben beschäftigt. Zu allen Zeiten gab es Norderneyer, denen Angst und Bange wurde vor einer Entwicklung, die nur noch das Kapital bestimmt. Allein die Häuser an der Moltkestraße wurden in einem Jahr gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg begann auf der Insel eine neue politische demokratische Ordnung. Der Altschiffer Otto Köser, Moltkestraße16, wurde ins neue Gemeindeparlament gewählt. Auf einer der ersten Sitzungen, in der meist nur plattdeutsch gesprochen wurde, sagte er: "Wenn du en Schkipp to vull packst, geiht dat Schkipp unner un wenn du uns Eiland to vull packst, geiht dien Existenz unner. Denn van de Sopp, de du dann utlöppeln must, word Plöör, und de Fettoogen löppelt dann dat Monopol, overleggt jos dat." Seine damalige Warnung ist heute aktueller denn je.
Die Expansionsschraube ist heute schon überdreht und ein Zurückschrauben geht nicht mehr. Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 6.000 Norderneyern und 4.000 Menschen mit Nebenwohnsitzen. Das bedeutet 10.000 Einwohner bei 4.000 Haushaltungen. Die Gästezahl lag 2015 bei 3.637.618 Übernachtungen. Es sollte allen zu denken geben, dass es so nicht weitergehen kann, denn gewöhnungsbedürftig sind jetzt schon im Stadtkern die Häuserfluchten, die über der Veranda gebaut sind und die unterschiedliche Bürgersteigbreite. Auch sollte sich die Stadt mit ihren Töchterunternehmen mit der Bebauung ihrer Grundstücke zurückhalten, solange die private Wirtschaft ausgelastet ist. Jedoch sind Wohnungen vonnöten.
Trotz aller Schwarzseherei kann man auch positive Entwicklungen sehen. Kürzlich hat eine junge Norderneyer Familie ein Haus von einer Norderneyer Erbengemeinschaft erworben. Aus Dankbarkeit haben sie ihrem Haus jetzt den plattdeutschen Namen: "Huus an‘t Schkanz" gegeben. Die Norderneyer Inselnatur war noch nie so grün,wie in heutiger Zeit. Einen großen Teil hat das "englische Wetter" dazu beigetragen. Vielleicht bekommt Norderney einmal den Ökelnamen: "Die grüne Insel", wie man Langeoog und Spiekeroog schon ewig nennt. Auch der Grünkolonne der Technischen Dienste muss für die Pflege der Grünanlagen ein großes Lob ausgesprochen werden.
Auch der neu angelegte kleine Kurgarten hinter der Nordseeklinik an der Weststrandstraße ist erwähnenswert. Hier kann man die Liebe des Besitzers zum Detail gut erkennen. Leider können nicht alle Hausbesitzer, die einen Blumenschmuck vor ihrem Haus angelegt haben aufgezählt werden.
Noch ein Wort an alle Bewohner, die unsere Insel lieben: die Natur ist unser größtes Kapital, mit dem man behutsam umgehen sollte. Vor allen Dingen sollte der Inselcharakter erhalten bleiben. Hoffentlich bleibt unsere noch schöne Insel von einer Rezession auf dem Festland verschont.

ein Haus, wie es zu Beginn auf den Inseln stand
Nach der großen Dollart-Flut um 1430 siedelten sich die ersten Fischer mit ihren Frauen, die alle bäuerliche Kenntnisse besaßen, auf der Insel an. Ihr Kleinvieh brachten sie mit. Das Foto aus dem Heimatverein Baltrum zeigt ein Haus, wie es zu Beginn auf den Inseln stand. Als die ersten Sied-ler merkten, dass man hier leben kann, kamen Handwerker vom Festland und bauten feste Häuser für die Fischer, die ihren Fisch auf dem Festland verkauften. Das nötige Baumaterial brachten die Fischer auf der Rückfahrt vom Festland mit auf die Insel. Für die Dachkonstruktionen wurde auch Strandholz verwendet.

Hotel "Kaiser Franz Josef" in der Strandstraße 2 im Rohbau um 1888
Nach Freigabe der Grundstücke durch das Land Preußen begann auf Norderney die Blütezeit der Hotels. Durch den Gästeboom zahlungskräftiger Personen entstand am Anfang der Strandstraße ein Anziehungspunkt. Das Bild zeigt das Hotel "Kaiser Franz Josef" in der Strandstraße 2 im Rohbau um 1888. Der Besitzer war Karl Pongratz aus Berlin. Gegenüber dem Hotel befand sich das Postamt. Alle Hotels bekamen einen Telefonanschluss. Die "Münchner Bierhalle" rechts im Bild, gehörte Wilhelm Bruns, der das Haus 1904 abriss und unter dem Namen "Reichshallen Hotel" neu baute. Der Zaun links gehört zum großen Hotel "Simmering" von Peter Simmering, einem Schwager von Bruns. Um 1900 wurde erst der Sandplatz vor den Hotels gepflastert. Heute kann man sagen: "Diese Lage ist die Wiege des Bermuda-Dreieckes." Damals wie heute war das Motto: "Sehen und gesehen werden".

"Hotel zum Reichsadler" in der Luisenstraße 12 nach dem Ersten Weltkrieg
Das Bild zeigt das "Hotel zum Reichsadler" in der Luisenstraße 12 nach dem Ersten Weltkrieg. In den Jahren der Inflation konnten die Hoteliers solcher Häuser aus Mangel an Gästen die laufenden Kosten und Abgaben nicht mehr erwirtschaften, zumal sie sehr personintensiv waren. Manche wurden zwangsversteigert. Die Norderneyer Gemeinde erwarb dieses Hotel und wandelte die Zimmer in Wohnungen um. 1927 waren im Adressbuch 19 Familien aufgeführt. Heute sind dort Eigentumswohnungen untergebracht.

Hotel zum Reichsadler
Mit 60 Zimmern und Salons und einer besten Lage unmittelbar am Strande warb das Hotel zum Reichsadler Anfang des 19. Jahrhunderts.

Hotel Bellevue
Ein großes Erholungsheim wird zu einer Nordseeklinik und schließlich zum Thalassohotel: Das "Hotel Bellevue" an der damaligen Adresse Marienstraße 1 gehörte dem Gastwirt Christian Kluin. 1927 wurde es ein Erholungsheim, später betrieb die Familie Michels das Gebäude als Nordseeklinik. Heute betreibt Michels dort das Thalasso-Hotel. Das Bild zeigt den neu angelegten Kurpark an der Weststrandstraße. Dieses Haus gehört mit seiner 140-jährigen Geschichte zu den ältesten Hotels auf Norderney.

Alte Häusern der Insel

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