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Ostfriesischer Kurier (Serie erschien vom 17.01. - 11.04.2015)
Georg Kampfer: Akte Strobach - Geistlicher wird mit einem Strick um den Hals gefunden

Akte StrobachEs ist Donnerstag, der 1. Februar 1731. Norderney hält den Atem an. Soeben hat man den Inselpastor tot in seiner Kammer aufgefunden - mit einem Strick um den Hals.

Noch am Tag zuvor hatte Pastor Strobach, der seit einem halben Jahr verwitwet und mit seinen vier kleinen Kindern allein im Pastorenhaus lebte, die Fischersfrau Maria Oldenburgs gebeten, ihm in der Küche zu helfen. Als die Fischersfrau dann am Donnerstagmorgen um 8 Uhr zum Pastorenhaus kam, fand sie die Türen weit geöffnet. In einer Akte des Staatsarchivs Aurich heißt es dazu:
"Wie Sie in die Küche gekommen, hätte Sie des Pastoris Peruque verkehrt auf dem Tisch liegen und sodann die Kinder (…) vorgefunden. Das älteste Kind hätte auch das Thee-Zeug um Thee zu trinken auf dem Tisch parat gehabt. Sie wäre bei ihrer Ankunft von dem ältesten Kinde gefraget: ob Ihr lieber Papa in Ihrem Hause wäre? Und als Sie (…) nein darauf geantwortet, hätte das Kind darauf repliciret (1): wo muß denn mein lieber Papa wohl seyn? Sie wäre hierauf in die Cammer gegangen und hätte des Pastoris Pantoffeln und Schlafrock vor dem Bette, Ihn aber den Lichter (2) um den Halß habend Tod vorgefunden."

Die entsetzte Fischersfrau eilte daraufhin sofort zum Inselvogt Johann Husius und überbrachte ihm die Nachricht vom Tode des Pastors. Der Vogt verfasste umgehend eine schriftliche Mitteilung, die noch am selben Tag im Amt Berum eintraf, sodass der Berumer Amtmann Hess gleichfalls am selben Tage noch die Todesnachricht an seinen Landesherren Fürst Georg Albrecht in Aurich weiterleiten konnte. In seinem Begleitschreiben ließ Hess allerdings einen bösen Verdacht anklingen. Er habe Pastor Strobach
"… jederzeit für einen rechtschaffenen Prediger angesehen, und nichts anderes bemerket, als daß Er die Ihm anvertraute Gemeine (3), als einen christlichen Lehrer und Prediger (…) sowohl in seiner Lehre als in seinem Leben, christrühmlichst vorgestanden. (…) Wir haben aber auch dagegen von anderen wohl vernommen daß Er durch die Fortpflanzung eines Gott wohlgefälligen Gottesdienstes sehr viele Feinde auf der InsulNorderney /: deren Einwohner durchgehend sehr Rüde und Unchristlich sind :/ bekommen. Wir haben zwar bis dato nicht in Erfahrung bringen können, ob Er selber oder ein anderer Bösewicht Ihm diesen gewaltsamen Todt (…) zuWege gebracht. Indessen aber halten wir seiner bisherigen und allem Ansehen nach christlichen Aufführung halber dafür, daß Er sich (…) selber vom Leben zum Tode nicht gebracht, sondern vielmehr Ein oder anderer der dortigen Insulaner Ihme Gewalt angethan haben werde." Hess spricht in seinem Bericht weiter "von übelgesinnten, liederlichen Eyländern"

(1) geantwortet
(2) Lichter, Leichter oder Aufheber: In den Wandbetten von der Decke herabhängendes Seil, an dem man sich aufrichten konnte
(3) Gemeinde



Die Akte Strobach

1. Teil
2. Teil
3. Teil
4. Teil
5. Teil
6. Teil
7. Teil
8. Teil
9. Teil
10. Teil
11. Teil
12. Teil
13. Teil

Übersicht Veröffentlichungen

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