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Norderney erzählt

Der König und des Badedieners Kuh

Es war an einem schönen Morgen des Monats August im Jahre 1864, als der König Georg V. mit dem Kronprinzen Ernst August und dem Königlichen Minister des Innern Freiherrn von Hammerstein auf Norderney in dem vor dem königlichen Palais aufgestellten hübschen türkischen Zelte Platz genommen hatten, um die laufenden Regierungsgeschäfte zu erledigen.

Die Sonne schien sehr heiß, und feierliche Stille herrschte auf der Insel, nur in der Ferne hörte man das dumpfe Brausen des Meeres, dessen schäumende Wellen die Wiederkehr der Flut verkündeten. Herr von Hammerstein mit seiner sympathischen Stimme trug eben ein Schriftstück, das dem Könige zum Unterzeichnen vorgelegt werden sollte, vor, als ganz in der Nähe des Zeltes der mit Stentorstimme ausgestoßene Ruf "Höret!" ertönte. Der König, etwas frappiert, erkannte bald die Stimme des Ausrufers, der verkündete, daß eine goldene Damenuhr und eine goldene Brosche verloren seien, und nachmittags ein Kinderfest stattfinden solle. Nachdem der Ausrufer seinen Vortrag beendet, rief der König denselben herein und erfuhr denn von ihm, daß heute sein 30. Geburtstag sei, worauf der König ihm seine Glückwünsche aussprach und ihn beauftragte, sich von dem Königlichen Kassierer 30 Taler Geburtstagsgeschenk auszahlen zu lassen.

Als der König am nächsten Morgen zum Baden ausging, wurde er wie immer, vom Badekommissar und zwei Insulanern, die als Badediener fungierten, empfangen; mit den letzten unterhielt sich der König. Dabei fiel ihm die gedrückte Stimmung des einen der Männer auf. Nach der Ursache fragend, erfuhr der König, daß ihm gestern seine einzige Kuh gefallen sei. Nachdem der Landesvater sein Bedauern darüber ausgesprochen, hatte er auch schon beschlossen, seine ans Geben gewöhnte Hand walten zu lassen, und erteilte, ins Palais zurückgekehrt, dem Hofmarschall Grafen Wedel den Auftrag, auf dem nahen Gute des Grafen Knyphausen nach einer Kuh, die der verlorenen ähnlich sei, forschen zu lassen.

Nach einigen Tagen traf auch schon die Kuh auf Norderney ein, und der König befahl, dieselbe während der Abwesenheit des Badedieners in dessen Stall zu bringen. Als der König dann am selben Tage wieder nach beendigtem Bade den Fischer nach seinem Befinden fragte, erwiderte dieser, der von dem Ersatze der verlorenen Kuh nichts wußte: "Majestät, wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle." Der König sprach dem Manne seine Anerkennung über seine Bibelfestigkeit aus. Als dieser jedoch nach Hause zurückgekehrt, im Stalle die Kuh fand, war er sehr überrascht und eilte sofort zum König, um ihm seinen Dank auszusprechen und dessen Verzeihung zu erbitten.

Von Gräfin v. d. Groeben

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