Norderney
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Schicksalstage auf Norderney

In den stillen Wochen der Monate November und Dezember kommen die Gedanken an schmerzhafte Ereignisse in den Familien zurück. Volkstrauertag und Totensonntag sind Besinnungstage, an denen der Verstorbenen gedacht wird. Am Volkstrauertag wird auch auf Norderney aller Toten gedacht, die während der beiden Kriege an Kriegseinwirkungen ums Leben kamen. Lange Jahre gab es auf der Insel ein Tabuthema: So sollen im Zweiten Weltkrieg auch Norderneyer Kinder wegen feindlichen Tieffliegerbeschusses ums Leben gekommen sein. Es ist gut, dass zwei Norderneyer diese traurigen Erlebnisse aufgeschrieben haben und die Dokumentation für die Nachwelt erhalten bleibt. Hans-Hermann (Jumbo) Kramer berichtet vom Gründonnerstag, 10. April 1941, und vom Tod seines Spielkameraden Gerd Eilers in der Richthofenstraße, der durch eine abgeworfene Bombe ums Leben kam. Der Junge war erst sieben Jahre alt. Weitere Spielkameraden überlebten verletzt. Sie bekamen Maschinengewehrkugeln ab, wie Gerd Rüdebusch durch Bauch und Blase. Kramers Bruder erhielt einen Durchschuss durch die Schulter und Karlchen Harms erlitt einen Oberschenkel-Durchschuss. Alwin Visser aus der Heringslohne berichtet über die letzte Fahrt des Fischkutters "Alwine". Am 8. März 1945, kurz vor Kriegsende, sank der Fischkutter von Johann Claussen. Der Kutter wurde etwa sechs Seemeilen vor Norderney von zwei feindlichen Flugzeugen durch Bomben- und Bordwaffenbeschuss versenkt. Johannes Claussen, durch Splitter im Rücken schwer verwundet, konnte sich im Schlauchboot retten. Sein nur 16 Jahre alter Matrose, Peter Stemmlinger, und der 15-jährige Schiffsjunge Willy de Boer kamen bei dem Angriff ums Leben und gingen mit dem Schiff unter. Ein paar Tage später konnte man in der Badezeitung die beiden Todesanzeigen lesen. Der Todesfall von Peter Stemmlinger war für seine Eltern um vieles untröstlicher, weil sein Bruder als Marinesoldat zehn Monate vorher auf See starb. Gleich nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 bekam Johannes Claussen von der englischen Besatzungsmacht auf der Insel das ehemalige Flugsicherungsboot "Baldur" als eine Art Wiedergutmachung für die Versenkung seines Kutters "Alwine". Die "Baldur", die vormals zur Bootsgruppe des Fliegerhorstes gehörte, wurde daraufhin zu einem Fischkutter umgebaut, mit welchem noch viele Jahre Frischfisch auf der Insel anlandete.

Gerhard (Häter Bull) Visser
Gerhard (Häter Bull) Visser war ein großer Mann von kräftiger Statur. Von ihm ist kein Foto vorhanden. Das Bild zeigt sein Haus mit Frau und Tochter.

Gent (Gint Genau) Visser
Das Bild zeigt Gent (Gint Genau) Visser als Rettungsmann des Ruderrettungsbootes "Fürst Bismarck". 1956 traf die Familie Visser ein harter Schicksalsschlag: Zwei ihrer Söhne und vier weitere Norderneyer, alles Fischer, kamen bei einem schweren Sturm auf der Rückfahrt von Helgoland ums Leben.

Gerhard (Holten Herrgott) Visse
Gerhard (Holten Herrgott) Visser mit seinem Sohn Siemen Kassen Visser (rechts) als Soldaten im Ersten Weltkrieg. Die Zigarre ist immer dabei.

Eigner Johannes Claussen
Das Bild zeigt den Eigner Johannes Claussen (Ruderhaus am Steuerrad) und seinen Bruder Carl Claussen vor dem Ruderhaus. Das umgebaute FL-Boot (Flugsicherungsboot) hat einen neuen Mast mit Fanggeschirr bekommen. Der Schiffsmotor hatte mehr PS als die normalen Fischkutter. Woher der Schiffsname "Baldur" kommt, ist nicht bekannt. Die FL-Boote hatten nur Zahlen am Bug. Interessant ist, dass man am Heck noch keine Nationalflagge sieht.

Ernst (Stieglitz) Visser
Pferde waren das große Hobby von Ernst (Stieglitz) Visser in seinen jungen Jahren. Das Bild zeigt ihn als Kutscher. Die Nr. 28 an seiner Dienst-Mütze bedeutet, dass er den Landauer Nr. 28 fuhr. Die Gendarmen prüften, ob die Livree der Kutscher sauber und ordentlich waren.

Häter Bull (24)
Gerhard Visser, Friedrichstraße 21, war Postschaffner und ein großer, kräftiger Mann und wurde daher Häter Bull (Harter Bulle) genannt. Er war ein Bruder von Lang Ehm (Bademeister) und war ein harter und fleißiger Mann. Er besaß die Pension Haus Irma. Als Postschaffner ein solch großes Haus zu besitzen, war schon etwas Besonderes.

Holten Herrgott (25)
Gerhard Visser, Viktoriastraße 7, war Malermeister und von der Statur her ein großer, dürrer Mann. Beim Gehen hielt er sich besonders aufrecht (holten heißt hölzern auf Plattdeutsch) und rauchte oft eine Zigarre. Er besaß ein schönes Haus an der Viktoriastraße. Zur Brunnenstraße hin war seine Malerwerkstatt.

Stieglitz (26)
Ernst Visser,Gartenstraße 31, war Tischlermeister und trug seine Anzüge immer im Norderneyer Blau. Dazu trug er gern auffallende, sehr bunte Binder (Schlipse). Da der Stieglitz ein bunter Vogel ist, gab man ihm den Beinamen. Er war ein fröhlicher Mensch, der immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Visser verkörperte den Typus eines Norderneyers.

Fock mit Stock (27)
Focke Visser, Winterstraße 3a, war Schulwart (Hausmeister) und wurde im Ersten Weltkrieg an Bein und Fuß schwer verwundet. Er musste einen Gehstock benutzen. Mit Ehme Lührs war er bei der Gemeinde angestellt und beide waren Hausmeister der Volks- und Mittelschule in der Jann-Berghaus-Straße. Visser war ein kleiner, aber kräftiger Mann.

Gint Genau (28)
Gent Visser, Damenpfad 9, war von Beruf Fischer mit einem eigenen Boot. Visser besaß eine besondere Eigenschaft: Bei ihm musste alles sehr genau und picobello sein. So achtete er auch genau auf das Verkaufsgewicht der Fische. Gent Visser war ein typischer Norderneyer Fischer. Besonders bekannt ist, dass seine Frau über 100 Jahre alt wurde.

Utstopper (29)
Jann Hinrichs Visher, Strandstraße 1, war Tischlermeister und hatte bis 1894 ein Baugeschäft. Danach machte er sich als Conservator (Utstopper bedeutet Ausstopfer) einen Namen und präparierte heimische Vögel und sonstiges Getier der Insel. Er wurde auch "Jann Nicklass" genannt. Wieso, ist nicht bekannt.

Heini Fenstermaker (30)
Heinrich Visser, Marienstraße 4, war von Beruf Tischler und seine Haupttätigkeit war das Herstellen von Fenstern. Er war sehr geschickt im Aufreißen (Aufzeichnen) der einzelnen Fenstersprossen und beim Einpassen der Schwalbenschwänze. Heute würde man sagen, er hatte sich spezialisiert.

Hermann Seilerbahn (31)
Hermann A. Visser, Luisenstraße 20, war Seilermeister mit einer eigenen Seilerbahn zwischen der Seiler- und Bogenstraße.

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