Norderney
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Landverschickung der Norderneyer Kinder

Die Kinderlandverschickung (KLV) von 1941 war eine vorübergehende Evakuierung der zwölf bis 14-jährigen Kinder aus den vom Krieg gefährdeten Gebieten. Hier ein Bericht eines Zeitzeugen über die damalige Situation der Norderneyer Kinder aus den oberen Schulklassen:

Nach den Ereignissen hier auf Norderney durch Bombenabwürfe und die Beschießung von Kindern durch englische Tiefflieger am Gründonnerstag im Jahre 1941 hatten die Verantwortlichen des "Gau-Weser-Ems" (das heutige Niedersachsen) Angst vor einer Invasion der Alliierten. Ganze Schulklassen wurden an verschiedene Orte in Deutschland und nach Österreich verschickt. Die Norderneyer oberen Volks- und Mittelschulklassen fuhren von Norddeich Mole bis nach Bischofshofen (Österreich). Von dort wurden die Schulklassen mit Bussen in ihre Standorte gefahren. Die Jungen kamen nach Krimmel und Mühlbach-Hochkeilhaus. Die Mädchen wurden in Golling untergebracht. Der Schulunterricht wurde von den Norderneyer Lehrern, die die Kinder begleiteten, vor Ort im jeweiligen Jugendheim oder der Herberge durchgeführt. Die Verantwortung lag bei der damaligen "Reichsjugendführung", und somit trugen alle Jungen und Mädchen die "Pimpf-" und die "Bund deutscher Mädchen" (BDM)- Uniform. Jede Klasse bekam auch einen Jugendleiter beziehungsweise eine Leiterin zugeteilt. Diese übernahmen die ganztägige Betreuung der Kinder und waren somit ihre ständigen Begleiter. Bei Ausflügen ins Gebirge und in andere Städte wie Wien und Berchtesgaden waren sie neben den Lehrern Ansprechpartner. Der Volksschullehrer Werner Jänichen (Lang Leffert, 61) war bei Wanderungen immer dabei. Für die Kinder war es ein großes Erlebnis, zusammen mit der Schulklasse auf so eine große Fahrt zu gehen. Nach dem Krieg 1945 wurde von den heranwachsende Kindern in späteren Jahren so manche Geschichte bei Klassentreffen wieder aufgewärmt.

Lehrer Jänichen (Lang Leffert)
Das Bild zeigt Lehrer Jänichen (Lang Leffert) mit seinen Schülern 1941 auf einer Wanderung zum Hochkönig, einer Felswand bei Mühlbach (Österreich).

Die Klasse 4 a und 4 b der Volksschule im Jahr 1941
Die Klasse 4 a und 4 b der Volksschule im Jahr 1941 wurde in Krimmel (Österreich) untergebracht. Das Bild wurde bei einem Ausflug nach Zell am See aufgenommen. Lehrer war Rektor Liebetrau. Der Lagermannschaftsführer war Heinrich Blubber (Nr. 1 im Bild). Er war der ständige Begleiter, aber kein Norderneyer. Einige Personen auf dem Bild: 2.Gerhard Eberhardt, 3. Fritz Pauls, 4. Reinhard Fischer, 5. Christian Eberhardt, 6. Hans Bartels, 7. Egon Meyer und 8. Heinz Fröhlich.

Erich Meyer (Flugmeyer)
Das Bild zeigt Erich Meyer (Flugmeyer) als Offizier und Pilot eines Wasserflugzeuges 1916 im Ersten Weltkrieg. Flugmeyer hat für seine Tapferkeit mehrere Orden bekommen.
Hochzeitsfoto von Gerhard (Gey-Bold) Bodenstab und seiner Frau Theda
Das Hochzeitsfoto von Gerhard (Gey-Bold) Bodenstab und seiner Frau Theda wurde am 1. Dezember 1929 im Atelier des Fotografen Sasse im Damenpfad aufgenommen. Die Ehe blieb kinderlos. Sein Hobby war es, Schrott zu sammeln um daraus etwas Praktisches anzufertigen. Er gehörte mit zu den ersten Norderneyern, die einen Führerschein hatten.

Heinrich Eduard Leisse (Hermann Löns)
Heinrich Eduard Leisse (Hermann Löns) hat sich gemeinsam mit den Norderneyer Jägern und Treibern nach der Treibjagd im Herbst 1935 zu einem Gruppenfoto vor dem Restaurant Golfplatz aufgestellt. Die Jagdbeute, alles Hasen, liegt weidgerecht vor der Gruppe.

um 1934
Gerhard Bodenstab (Gey-Bold) hatte neben Wilhelm Fischer (Swart Wilhelm, 51) auch eine Lizenz für die Buslinie bis zum Leuchtturm. Das Foto wurde um 1934 aufgenommen und zeigt das Leuchtturm- Restaurant von Theodor Warfsmann. Warfsmann hatte einen Zoo mit exotischen Vögeln eingerichtet (links im Bild). Seine Pfauen liefen frei herum, und die Kinder der Besucher waren immer auf der Lauer, eine Feder zu erbeuten. Der Omnibus von Gey-Bold ähnelte dem von Swart Wilhelm (rechts im Bild). Ein Besuch beim Leuchtturm war damals immer eine Tagesfahrt.

Humpel Erna (59)
Erna Wirdemann, Knyphausenstraße 16, hatte ein schweres Hüftleiden.

Kapten Didi (60)
Dietrich Wedermann, Marienstraße 9, war Kapitän und fuhr auf einem Frisia-Dampfer. Seine Familie bewohnte eines der ersten Fischerhäuser an der Marienstraße, bevor 1840 der neue Mariendeich gebaut wurde.

Lang Leffert, auch Götensuper (61)
Werner Jänichen, Gartenstraße 44, war Volksschullehrer und ein über zwei Meter großer, dürrer Mann. Der Name "Leffert" beruht auf dem Kauf seiner Kleidung bei der Modefirma Leffers in Leer, der Name "Götensuper" entstand, weil er theoretisch aus einer Dachrinne der kleinen Fischerhäuser trinken konnte. Seine Familie bewirtschaftete in der Gartenstraße noch ein kleines privates Kinderheim. Jänichen ist im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront gefallen.

Groot Reemt (62)
Reemt Meyer, Moltkestraße 6, war Bauunternehmer und ein großer, kräftiger Mann. Es gab um 1911 zwei Reemt Meyer auf der Insel und deshalb wurden sie nach ihrer Größe benannt. In der damaligen Feuerwehr hießen sie Meyer I. und Meyer II.

Lüttji Reemt (63)
Reemt Meyer, Herrenpfad 3, war Bierverleger und von kleiner Statur. Meyer verkaufte sein Haus im Herrenpfad an Paul F. Meyer und bezog das Pensions- Haus in der Viktoriastraße 4.

Gey-Bold (64)
Gerhard Bodenstab, Südstraße 8, war Schmied und Autobusbesitzer (Leuchtturm- Linie.) Sein richtiger Vorname war Geriy, deshalb der Beiname "Gey". Weil er auch Schlosser war, bekam er zusätzlich den Beinamen "Bold" (Bolzen). Er sagte mitunter: "Dor mutt een Bold rin."

Hermann Löns (65)
Heinrich Eduard Leisse, Heinrichstaße 8, war von Beruf Tischler. Er ging in jungen Jahren nach Bielefeld und hat dort in der Forstwirtschaft gearbeitet. Nachdem er zur Insel zurückgekehrt war, hat er sich der Norderneyer Jägerschaft angeschlossen. Sein Erscheinungsbild im täglichen Leben war die eines Jägers, und er trug den Jägerhut wie der bekannte Heimatund Heidedichter Hermann Löns, deshalb bekam er von den Norderneyern den Beinamen "Hermann Löns".

Flugmeyer (66)
Erich Meyer, Strandstraße1, war Oberflugmeister. 1919 machte er seinen Pilotenschein und flog bis 1924 bei der Hapag-Lloyd-Luftdienst GmbH. Er flog in dieser Zeit zirka 80.000 Flugkilometer. Ein Plakat von ihm hängt heute im Bademuseum. 1924 gründete er das Geschäft "Kunst & Handwerk" in der Strandstraße 1. Bei den Norderneyern hieß er nur "Flugmeyer".

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