Norderney
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"Hinnis Tuun" - ein Millionenprojekt

Die Bezeichnung "Hinnis Tuun" ("Hinnis Garten") steht für viele Einwohner Norderneys für das gesamte Gelände, welches neben dem ehemaligen Seefliegerhorst- Gebäude "Storchennest" (Esel-Weg) bis Ecke Hafenstraße/Bergisch Land liegt. Diese Bezeichnung ist aber falsch.

1937/38 wurde für die Familie des Flugplatzkommandanten, Hauptmann Storch, ein neues Wohnhaus im Stil der Siedlungshäuser Nordhelm gebaut. Somit auch der Name "Storchennest". Wo heute das verwilderte Areal "Hinnis Tuun" liegt, sollte damals genau so ein Haus auch für den Stellvertreter von Hauptmann Storch gebaut werden. Der 1939 begonnene Krieg aber hat das verhindert. Von dieser noch freien Fläche hat der Tischlermeister Hinrich Jürgens (68) an der Marienstraße 3 - gleich neben dem neu erbauten Kommandanten - Haus - ein Viertel vom "Deutschen Reich" gepachtet. Er kultivierte die frühere Polderwiese. Das Land war fruchtbar, der Grundwasserspiegel dort sehr hoch und für einen "Tuun" sehr geeignet. Bekannt wurde der Garten gleich nach dem Krieg, als auf Norderney die Hungerzeit und der Tauschhandel begannen. Paul Visser, Hafenstraße 6, war von Beruf Gärtner und machte sich in der Hungerzeit selbstständig. Er pachtete das Gelände neben "Hinnis Tuun" von der neu gegründeten Bundesvermögensstelle und baute dort auch seine Gewächshäuser. Die anderen Freiflächen wurden von den Anwohnern der südlichen Brunnenstraße, der Luisenstraße und des Damenpfads bewirtschaftet.

Bei den Kindern in der Umgebung waren nach dem Sommer zur Erntezeit das leckere Obst und die Beeren von Hinni Jürgens sehr beliebt. Klauen sagte man nicht, sondern man nannte es "Mundraub". Nach Hinnis Ableben wurde sein gepachtetes Gartengrundstück von der Bundesvermögensstelle nur noch einmal verpachtet. Nach und nach wurden die Gartengrundstücke aufgegeben. Danach trat die Verwilderung ein. Die Natur hatte in Hinnis Garten ein leichtes Spiel, weil der Boden immer mit abgeschabten Knochen aus der Schlachterei seines Schwagers, Schlachtermeister Hermann Wessels aus der Winterstraße, gedüngt wurde.

Wenn Meister Jürgens und seine Gartennachbarn damals gewusst hätten, dass die Stadt Norderney fast 80 Jahre später, im Jahr 2017, rund 4,3 Millionen Euro (entspricht etwa 8,41 Millionen DM oder 80,41 Millionen Reichsmark) an das Land Niedersachsen zu zahlen hat,um in den Besitz dieses Geländes zu kommen, würden sie die Welt nicht mehr verstehen. Solche Zahlen waren damals"Utopie". Teilt man diese Summe heute durch vier, dann kommt man auf den Wert von "Hinnis Tuun".

Immerhin darf das an sich wertvolle Gelände jetzt dank der Stadt Norderney weitere 15 Jahre seinen "Dornröschenschlaf" halten. So die Erläuterung dazu in der Badezeitung. Besonders freuen dürfen sich heute die unmittelbaren Nachbarn, denn sie haben noch ein Paradies hinter ihren Häusern. Es sei denn, der Borkenkäfer oder sonstiges Ungeziefer des Totholzes aus dem Paradies gefährden Bäume und Sträucher in ihren Anwesen.

eine Luftaufnahme, die um 1950 entstand
Die Postkarte aus dem Archiv von Jochen Pahl stammt von einem Verlag aus Cuxhaven und zeigt eine Luftaufnahme, die um 1950 entstand. Es sind keine Fahnenmasten an den Häusern zu sehen - das bedeutet, dass die englische Besetzung der Insel noch nicht vorbei ist. Die Holzmasten im Vordergrund sind Funk- und Peilmasten des Norddeutschen Rundfunks. Auch der Georgs-Garten ist noch da und erinnert an Georg V. Die damaligen Gartenpächter (soweit heute noch bekannt) waren: 1. Hinrich Jürgens, 2. Paul Visser, 3. Gent Visser, 4. Georg L. Visser, 5. H. Husmann (König) und 6. Johann Carls. Paul Visser hatte vor seinen Gewächshäusern große Erdbeerbeete. Die rot markierte Fläche ist der Bereich, der heute im Volksmund fälschlicherweise "Hinnis Tuun" genannt wird.


"Meister Buck": Das Bild zeigt das Ehepaar Jürgens im März 1970 bei ihrer Goldenen Hochzeit. Zur Feier waren am Vormittag der Ratsherr Christian Eberhardt und Stadtdirektor Harting anwesend.

Stadtdirektor Carssen Lührs
Stadtdirektor Carssen Lührs (Marabu) mit einer Bekannten (Frau Surke) vor seinem Hauseingang des alten Hauses in der Gartenstraße 16. Die Aufnahme entstand 1956. 1882 wohnten hier seine Eltern, der Schiffer Johann Hermann Lührs mit Frau. Nach dem Tod der Eltern bewohnten Carssen Lührs und seine Schwester Marie das Haus bis zum Verkauf an die Stadt Norderney im Jahr 1962. Die beiden bezogen einen Neubau im Rosenweg 3; das alte Haus Gartenstraße 16 wurde abgerissen und die Luciusstraße auf dem Grundstück bis zur Feldhausenstraße verlängert.

Werkstatt in der Kampstraße
Das Foto wurde in der Werkstatt in der Kampstraße aufgenommen und zeigt von links: Paul Hamann, Eilbertus Stürenburg sen. (Eilt Döfke), Otto Schiemann, Georg de Vries, Paul Schmidt und Eilbertus Stürenburg jun.

Theo Kluin (Rood Theo, Mitte)
Theo Kluin (Rood Theo, Mitte) war sehr musikalisch. Um 1950 trat er dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr bei und spielte Trompete und Tuba. 1981 übernahm er den Dirigentenstab von Rudolf Schulz und führte die Kapelle bis 1998. Das Bild zeigt ihn mit seinen Kameraden Helmut Weiß (links) und Adolf Pree (rechts) 1969 auf der Geburtstagsfeier von Jann Holtkamp. Zu dieser Zeit ist Kluin Oberlöschmeister.

Theo Kluin (Swart Theo)
Theo Kluin (Swart Theo) beim Sommerfest 2017 der Norderneyer Handwerker. Kluin war viele Jahre Ortshandwerksmeister auf Norderney.

Ende März 1925
Das Bild zeigt Spediteur Georg "Spedi" Fischer (2. von rechts), einige Sicherheitsleute sowie Norderneyer Rettungsmänner. Diese hatten die Ladung des gestrandeten Schiffes "Lavinia" geborgen. Das Foto entstand Ende März 1925 beim Abtransport von Silber- und Goldbarren, die nach der Bergung zunächst unter Bewachung von Reichswehr-Soldaten im damaligen fiskalischen Gebäude "Haus Schiffahrt" gelagert wurden. Fischer ist in seiner typischen Haltung mit Fahrrad zu sehen, so wie die Norderneyer ihn kannten. Er gehörte zu den Norderneyer Honoratioren.

Marabu (67)
Carssen Lührs, Gartenstraße 16, war von 1922 bis 1933 sowie 1945, 1946 und 1954 Bürgermeister der Inselgemeinde Norderney. Gleichzeitig war er von 1946 bis 1950 Kurdirektor der Kurverwaltung. Von 1946 bis 1952 war er auch Stadtdirektor der Stadt Norderney. Lührs war ledig und fiel durch seine Gamaschen auf, die er immer über seinen Schuhen trug. Bei den Norderneyern gehörte er mit zu den beliebtesten Bürgermeistern der Insel.

Meister Buck (68)
Hinrich Jürgens, Marienstraße 3, war Tischlermeister. Er war sehr lebensfroh und hatte einen der fruchtbarsten Gärten auf der Insel: Heute noch wird im Rathaus über "Hinnis Tuun" diskutiert. Zurzeit ist der Garten ein natürliches Paradies.

Eilt Döfke (69)
Eilbertus Stürenburg, Kampstraße 11, war Tischlermeister und hatte immer eine kleine Shagpfeif (Tabak) im Mund - auf Plattdeutsch "Döfke". Er war 1919 Mitgründer des Norderneyer Musikvereins, der später, 1929, zum Feuerwehrmusikzug wurde. Seine Werkstatt in der Kampstraße wurde in den Gründungsjahren an den Wochenenden als Übungsraum hergerichtet. Die Familie Stürenburg führt heute die Tischlerei in vierter Generation und alle Tischlermeister tragen den Vornamen Eilbertus.

Karl Rött (70)
Karl Wirdemann, Karl- Rieger-Weg 2 (alter Schießstand), war Arbeiter und Maurer. Wirdemann war beim Stadtbauamt, Abteilung Kanal, beschäftigt. Er musste bei Bedarf Rattengift in die Straßenabwasserschächte legen.

Rood Theo (71)
Theodor Kluin, Schulzenstraße 31, war Tischlermeister. Seine Eltern bauten gleich nach dem Krieg die SPD-Partei auf Norderney wieder auf. Er gründete 1949 mit anderen Norderneyer Jugendlichen die Jugendorganisation "Die Falken" SJD, (Soziale Jugendorganisation Deutschland).

Swart Theo (72)
Theodor Kluin, Halemstraße 17, war Heizungsbaumeister und ein Vetter von "Rood Theo" (71). Kluin wurde Mitglied der CDU. Er war im Gesangverein und viele Jahre Vorsitzender der Döntje Singers.

Spedi (73)
Georg Fischer, Jann-Berghaus-Straße 39, war Spediteur mit einer Lizenz der Reederei Frisia für die Frachtbeförderung und Bahnspedition.

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