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Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 23.11.2018)

Großer Andrang und exotische Preise

Ein Reisebericht eines Rheinländers war am 15.August 1906 in der Badezeitung zu lesen:

Der Fremdenandrang war vor Kurzem so groß, dass selbst Restaurationsräume zu Schlafsälen hergerichtet werden mussten, ja man schlief auf Fluren, Kegelbahnen, und gar in Strandkörben. Am Montag war auf dem Bureau der Badeverwaltung überhaupt kein Strandkorb mehr für Geld zu haben; alles ausverkauft! Als ich vor acht Tagen hier ankam, wollte ich eine Privatwohnung mieten und fragte der Reihe nach in mehreren Häusern, die mit dem Aushängeschild "Logis", "Wohnung" oder "Pension" versehen sind, an; alles besetzt! Für ein Zimmer, welches nur durch die Küche zu erreichen war, verlangte man 25 Mark die Woche (ohne Frühstück), und für ein anderes unter dem Dache, welches ein kleines Bett, einen hölzernen Stuhl und einen sehr kleinen Waschtisch enthielt, drei Mark pro Tag!

Das Zimmer war mit einem Schritt zu durchmessen, und da ich auch berechtigte Zweifel hegte, ob es möglich sei, mich in das Prokrustesbett (nach Prokrustes, dem Sklaven von Abraham; etwas, das in ein Schema gepresst wird) hineinzuzwängen, so verzichtete ich und nahm den Hotelanzeiger der Kölner Volkszeitung zur Hand.

Als einziges Hotel fand ich den Rheinischen Hof aufgeführt; dorthin lenkte ich meine Schritte. Das Hotel, welches etwa 100 Zimmer hat, war glücklicherweise noch in der Lage, mir ein gutes Zimmer zu verhältnismäßig billigsten Preise zu geben.

Wer über die hohen Preise am Rheine klagt, möge nach Norderney kommen und sich davon überzeugen, dass es hier viel teurer ist, ob schon sich Norderney von Jahr zu Jahr mehr zu einem Volksbade entwickelt. In den meisten hiesigen Hotels und Gasthöfen besteht allerdings kein Weinzwang; doch wird auch Bier und Mineralwasser teuer genug bezahlt; es kostet zum Beispiel ein halber Liter Kulmbacher in der fiskalischen "Giftbude" 50 Pfennig, eine halbe Flasche Apollinaris wird mit 60 Pfennig bezahlt, also exotische Preise! Familien, welche sich eine Privatwohnung mieten mit der Berechtigung, die Küche zu benutzen, kommen am billigsten zurecht.

Der Reichskanzler macht Tag für Tag seinen Spaziergang unmittelbar am Meere entlang; er ist von seiner Gemahlin fast stets begleitet. Schon von Weitem kann man sein Kommen bemerken: Vier Hunde - zwei Pudel und zwei Teckel (ein komisches Quartett!) - sind immer mit von der Partie. Der Reichskanzler hat ein vortreffliches Aussehen, und er scheint sich völlig von den Strapazen der letzten Reichstagssession erholt zu haben. Jeden Freitag begibt er sich zur Wilhelmshöhe, um dort seinen Kaffee mit Kuchen zu genießen.

Für die religiösen Bedürfnisse der Katholiken ist hier in ausreichendstem Maße gesorgt; jeden Tag ist in der neu erbauten katholischen Kirche eine heilige Messe. Sonntags werden stets drei heilige Messen zelebriert, um 7 und 8 Uhr und um 10 Uhr das Hochamt mit Predigt. Das Hochamt am letzten Sonntag war so stark besucht, dass die Andächtigen fast bis auf die Straße standen.

Bonno Eberhardt zieht das Fazit: Über 100 Jahre später ist Norderney immer noch ein großer Anziehungspunkt der Rheinländer geblieben. Heute sind vom Bundesland Nordrhein-Westfalen einige Bürger hier sesshaft geworden und profitieren mit ihrem Eigentum von der Entwicklung des Bades.

Wessel Wessels
Wessel Wessels (127, Nummer 1 rechts) mit seinen Berufskollegen und Mitarbeitern beim großen Maiumzug 1938. Die Schlachter- und Bäckerinnungsleute, alle in Berufskleidung, reihten sich in einem Block in den Umzug aller Werktätigen ein. Ein Motivwagen fuhr vorweg, von dem Kinder Würste und Backwaren in die Zuschauermenge warfen. Auf Norderney gab es damals sechs Schlachterbetriebe mit Ladengeschäft. Innungsobermeister war Dirk Extra aus der Schmiedestraße.

Hotel Rheinischer Hof
Das Hotel Rheinischer Hof war 1885/1886 als Hotel Zum Kronprinzen erbaut worden. Besitzer war Felix Adolf Winckler. Das Hauptgebäude wurde bis 1904 zur Langestraße hin erweitert. Ab 1893 wurde das Haus als Central-Hotel"geführt und 1901 in Rheinischer Hof umbenannt. Seit 1985 heißt es Hotel Vier Jahreszeiten.

Bernhard von Bülow
Bernhard von Bülow, von 1900 bis 1909 Reichskanzler, war mehrmals zur Erholung auf Norderney. Sein Wohnsitz war die Villa "Fresena", heute "Belvedere". Auf dem Bild sieht man ihn auf der Strandpromenade am Westbad. Ein Attentäter der 1908 den Reichskanzler ermorden wollte, erschoss sich selbst. Seine Leiche wurde mit einem auf ein Stück Packpapier gekritzelten Geständnis am Strand gefunden.

Johann Pleines
Johann Pleines (126) war während der letzten Kriegsjahre 1944/45 mit seiner Mittelschulklasse noch als Marine Flakhelfer eingesetzt. Später arbeitete er als Bauingenieur im Baugeschäft der Pleines GmbH. Lange Jahre war er CDU-Ratsmitglied im Stadtrat. Verheiratet war er mit Helga Stephan, mit der er zwei Töchter hatte. Im Männergesangverein Eintracht sang er im Bass.

Jürgen Brügma
Jürgen Brügma (128, X) mit Arbeitskollegen des Gaswerks beim Maiumzug 1938. Das Gas- und Wasserwerk formierte sich in einem Block mit den insularen Handwerksinnungen. Auf dem Bild gut zu erkennen ist der Marschblock der Kurverwaltung (sechste Reihe). Die Gaswerker haben nach dem Umzug auf ihrem Betriebsgelände hinter der "Fabrik" (dort wurde Kohle zu Koks verarbeitet) den 1. Mai mit den Arbeitern, die Schichtdienst hatten, gefeiert.

Die "Königliche Bade-Inspection" im Jahr 1912
Die "Königliche Bade-Inspection" im Jahr 1912. Die Hauptverantwortlichen waren Beamte, die vom preußischen Staat nach Norderney versetzt wurden und hier ihren Dienst ausübten. Die Rangordnung war der damaligen Zeit angepasst, und die Beamten genossen auf der Insel großes Ansehen. Die Inspektion war im Sommer größter Arbeitgeber mit bis zu 160 Aushilfskräften. Das Bürohaus mit Wohnungen für Bedienstete befand sich im "Alten Badehaus" zwischen dem westlichen Kurhaus und dem Maschinenhaus. Ein Teil des Gebäudes wurde noch bis 1960 genutzt.

Boxer (126)
Johann Pleines, Luisenstraße 24 (später wohnhaft Nordhelmstraße 25), war Bau-Ingenieur. Als Kind war er klein, dafür hatte er aber eine kräftige Statur. So war er in seiner "Kinderklicke" (Clique) in der Luisenstraße der stärkste Junge und bekam von seinen Mitspielern den Beinamen "Boxer". Wie damals üblich, hatten die Jungen in ihrer Wohngegend öfter Hauerei mit Jungen eines anderen Bezirkes. Die Jungen aus dem Westbezirk, auch "Westender"´genannt, waren bei den Jungen des Ostbezirkes "Ostender" sehr gefürchtet.

Jolanthe (127)
Wessel Wessels, Luisenstraße 29, war Schlachtermeister. Um 1935 übernahm er die Schlachterei von seinem Vater Heere Wessels in der Jann-Berghaus-Straße 11. Er war von kräftiger Statur. Außerdem war sein Schlagwort: "Een good Swien mutt acht Zentimeter Speck up Rügg hebben." (Ein gutes Schwein muss acht Zentimeter Speck auf dem Rücken haben.) Weil es auf Norderney viele Einwohner mit Namen Wessels gab, hat man ihm den Beinamen Jolanthe (nach dem Schwein Jolanthe aus einem Lustspiel) gegeben.

Jürgen Kokindji (128)
Jürgen Brügma, Jann-Berghaus-Straße 48, war Heizer auf dem Gaswerk. In ihrer Freizeit stellten Brügma und seine Frau eine Bonbonart für Kinder her, die es nur auf der Insel gab, und somit hatten sie einen kleinen Nebenverdienst. Das Rezept zur Herstellung dieser leckeren Bonbons, die sie Kokindji nannten, war geheim. Bekannt war, dass Sirup, brauner Zucker, Karamell und weitere Zutaten in der Bratpfanne zu einer zähen Masse verkocht wurden. Diese Masse wurde im abgekühlten Zustand zu etwa einen Zentimeter dicken Stangen gerollt und in zirka drei Zentimeter lange Stücke geschnitten. Diese wurden in Pergamentpapier gewickelt und für fünf Pfennig pro Stück unter dem Namen "Kokindji" verkauft.

Kalli Möcker (129)
Karl Meyenburg, Nordhelmstraße 68, ist gelernter Maurer. In seinen jungen Jahren war er Fußballspieler im TuS Norderney und hatte einen sehr harten Abschlag. Weil er als Maurer mit dem Fäustel und Meißel (plattdeutsch: Möcker) hart zuschlagen musste, gaben ihm seine Fußball-Kameraden den Beinamen Möcker. In späteren Jahren ging er zur Kurverwaltung und war Strandkapitän am Ostbad. Auch heute im hohen Alter wird er noch so genannt.

Krischan Buul (130)
Christian Eberhardt, Friedrichstraße 18, war Sattler- und Tapeziermeister. Er hatte auf der rechten Stirnseite eine große Beule (plattdeutsch Buul), einen Grützbeutel(Atherom). Eberhardt war für die Norderneyer nach dem Ersten Weltkrieg um 1919 Wahlkandidat der DVP (Deutsche Volkspartei). Er fiel durch seine sehr tiefe Stimme auf.


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