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Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 23.11.2018)

Große Hotels an der Strandstraße

Um 1900 ist in der Strandstraße so richtig das "andere Leben" eingezogen. Wo heute das Haus der Oldenburger Bank steht, kaufte Wilhelm Bruns 1894 die alte "Münchener Bierhalle" von Georg Wäcken und baute dort ein neues Wirtshaus, das "Restaurant Münchner Bierhalle". Später änderte Bruns den Namen in "Restaurant Reichshalle".

Sein Nachbar auf der Ecke gegenüber war Jakob Bernhard Rass. Er betrieb ein Kolonialwarengeschäft und hatte bei der Gemeinde im Parlament ein Wort mitzureden. Auch war er von 1914 bis 1918 Insel-Bürgermeister. Das neue Wirtshaus von Wilhelm Bruns lief gut. Nur eins störte ihn besonders: seine Frau Luise. Sein Schwager Peter Simmering führte das große Hotel auf der anderen Seite, das heutige Künstlerhaus. Und auch Bruns Nachbar baute 1887/88 ein großes Hotel: "Kaiser Franz-Josef". 1890 verkaufte Peter Simmering sein Hotel an der Langestraße an seinen Schwager Reinhard Bruns - den Vater von Hans und Edi Bruns. Der musste das Hotel jetzt "Hotel Bruns" nennen, sodass Peter Simmering seinem neuen Hotel in der Strandstraße seinen Namen geben konnte: "Simmerings Hotel" wurde 1891 gebaut.

Immer wenn Wilhelm Bruns und seine Frau Luise aus der Tür ihres Restaurants "Reichshallen" kamen, guckten sie auf Peter Simmerings großes Hotel. Düvelkater (Teufelskatze) auch! - Wenn es einem gut geht, könnte es gern noch etwas besser sein, meinten sie wohl. Jeden Tag lag Luise ihrem Mann Wilhelm in die Ohren: "Lass uns unser Haus abreißen und hier auch ein großes Hotel bauen!" Wilhelm wollte davon erst nichts wissen. Sie hatten es in ihrer "Reichshalle" doch gut. Zuletzt bekam Luise doch ihren Willen. 1910 wurde das Wirtshaus abgerissen und 1911 bekamen Wilhelm und Luise ihr auf der selben Stelle neu gebautes großes Hotel. Das nannten sie jetzt "Reichshallen-Hotel". Im ersten Stock waren drei Balkone. Daran stand in goldenen Buchstaben "Reichshallen- Hotel-Café". Unten, wo jetzt das Bankgeschäft läuft, war der Restaurantbetrieb. Dahinter, zur Mittelstraße hin, lag der große Speisesaal mit einer Musikmuschel. Damals war das "Reichshallen-Hotel" eines der besten Häuser auf Norderney. Mittags, Punkt zwölf Uhr, schlug in der Mittelstraße von einem kleinen Glockenturm aus die "Mittagsglocke". Jetzt fanden sich die Hausgäste und die "Laufgäste" ein, um beim "Table d‘hôte" (französisch für "Tisch des Gastgebers", kleine, feste Karte mit einem Menü) ihr Mittagessen einzunehmen. Dazu spielte in der Musikmuschel eine kleine Kapelle.

Die Tafeln waren im Restaurant schön gedeckt, auch mit Weingläsern, die mit den Initialen W. B. graviert waren. Von Vorteil war der kleine Pad, ein Weg zwischen den Häusern (heute Solaro und Oswald). Hie konnten die Gäste vom Kurplatz und dem Georgsgarten schnell zur Mittagszeit das Reichshallen Restaurant erreichen, denn der große Platz vor dem Hotel in der Strandstraße war noch nicht gepflastert.

Jetzt konnten Wilhelm und Luise gut gegen Hotel Simmering bestehen. Sogar einen eigenen Hotelwagen mit einem Pferdegespann besaßen sie, der zu jedem Dampfer an der Landungsbrücke fuhr und dort Gäste abholte. Das Hotel war ganzjährig geöffnet, was zu der Zeit sehr aufwendig war.

Die Strandstraße um 1879
Die Strandstraße um 1879 mit der "Münchner Bierhalle (1), dem Kolonialwarengeschäft von J. B. Rass (2, heute Ladengeschäft mit Wohnungen), dem Hotel "Kaiser-Franz-Josef" (3) sowie dem späteren Simmerings Hotel (4, heute Künstlerhaus).

Simmerings Hotel
Peter Simmering baute 1891 "Simmerings Hotel". 1911 steht als Besitzer Friedrich Bartels im Adressbuch, der Oberkellner bei Simmering war.Zu der Zeit ist Simmering nicht mehr in der Einwohnerliste eingetragen. 1935 sind als Besitzerin Emma Bartels, Witwe von Friedrich, und als Geschäftsführer dessen Bruder Walter Bartels eingetragen. 1954 wird das Hotel unter dem Namen "Hansa Hotel" betrieben. Später wird es zum "Künstlerhaus". So heißt es noch heute, Inhaber ist Stefan Schnieder.


Schafherde
Das Ölbild hat der Norderneyer Paul Heckel 1950 gemalt. Zu sehen ist die Schafherde, die in den Dünen nach Futter sucht. Der Schafhirte auf dem Bild soll Johann Aggen sein, der wie Hermann Visser (196) Schaaphärder war.

Festwagen
Die Baufirma Gebr. Neumann aus Norden hat den Festwagen der Spedition Fischer mit einem Modell eines Siedlungshauses für den großen Maiumzug 1938 geschmückt. Der Kutscher dieses von zwei Pferden gezogenen Wagens ist Carl Nordbrock (198).

Johann Rass
Das Foto zeigt Johann Rass (199) mit seinem Bierwagen vor dem Haus seines Arbeitgebers Karl Vollrath in der Schmiedestraße 1a.

Fünf Freunde
Der schönste Platz auf einer silbernen Hochzeit ist die Küche. Fünf Freunde, etwa 22 bis 24 Jahre alt, haben sich 1954 zur Erinnerung ablichten lassen - darunter Johann Lorenz (195, Zweiter von links). Ihre Anzüge sind vom Schneidermeister Weber in der Langestraße 4 maßgeschneidert.

Sonnyboy (195)
Johann Lorenz, Ellernstraße 9 b, wuchs bei seinen Großeltern Onno Damhuis auf. Seine Eltern waren nach Norddeich gezogen und seine Oma sagte immer: "Dat is nu min Sonnyboy." (Das ist jetzt mein Söhnchen.) Seine Schulkameraden übernahmen den Namen und er wurde auch noch im Alter so angesprochen.

Schaaphärder (196)
Hermann Visser, Tannenstraße 3, war Arbeiter und Schafhirte (Schaaphärder). Um 1900 gehörte zu vielen Haushalten ein Schaf im Stall, der auf dem Hof des Grundstücks stand. Da es im Ort wenig Weideflächen gab, erklärte sich immer ein älterer Mann bereit, für eine kleine Entlohnung die Schafe aus dem Ort in das östlich gelegene Dünengelände zu führen und sie dort zu beaufsichtigen. Treffpunkt war morgens an der Ecke an der Mittelschule. Die Schafe liefen allein aus ihrem Stall zum Treffpunkt, wo alle eingesammelt wurden. Nachmittags liefen sie von dem Treffpunkt zurück in ihren Stall und wurden anschließend gemolken. Nach Visser gab es noch einige Schafhirten auf der Insel. Der berühmteste war Johann Aggen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sich die Leute wieder Schafe angeschafft, und der Hirte hieß Anton Hollander.

Utrooper (197)
Richard Stephan, Schulzenstraße 15, war Arbeiter und nebenberuflich Ausrufer (Utrooper) der Gemeinde Norderney. Stephan war von kleiner Statur und hatte eine sehr kräftige, tiefe Stimme. Seine Aufträge bekam er von der Gemeindeverwaltung und den Wasser- und Gaswerken. Mit einer großen Glocke stand er dann an den Straßenkreuzungen und läutete seine Bekanntmachungen an. Einer der häufigsten Ausrufe war: "Die Wasserleitung wird von 10 bis 12 Uhr gesperrt."

Stoppnadel (198)
Carl Nordbrock, Fischerstraße 7, war Kutscher. Er war von Statur aus sehr schmal gebaut. Die Norderneyer sagten: "He is so dünn as een Stoppnadel (Stopfnadel)."

Spatz (199)
Johann Rass, Frisiastraße 4, war Bierfahrer bei der Bierhandlung von Karl Vollrath. Rass war ein sehr freundlicher und fröhlicher Mensch. Und er pfiff ständig vor sich hin. Wegen seiner Wendigkeit und seines Pfeifens erhielt er den Beinamen.

Tobi (200)
Hermann Remmers, Langestraße 2, war Mittelschulrektor und hieß mit zweitem Vornamen Tobias. Seine Schüler sagten nur Tobi, wenn sie über ihn sprachen, denn während des Unterrichtes hatte er mitunter auch Tobsuchtsanfälle, wenn seine Schüler nicht artig waren.


Ökelnaam

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Teil 3 - 10.11.2017
Teil 4 - 17.11.2017
Teil 5 - 24.11.2017
Teil 6 - 01.12.2017
Teil 7 - 08.12.2017
Teil 8 - 15.12.2017
Teil 9 - 29.12.2017
Teil 10 - 05.01.2018
Teil 11 - 12.01.2018
Teil 12 - 19.01.2018
Teil 13 - 02.02.2018
Teil 14 - 09.02.2018
Teil 15 - 16.02.2018
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