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Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 23.11.2018)

Überlieferung und Ahnenforschung

Wenn man aus heutiger Sicht unser Kirchenleben in der Gemeinde betrachtet, hat sich im Laufe von 395 Jahren sehr viel in der Haltung verändert. Aber der Glaube ist geblieben. Die Bibel hat auch heute noch ihre Gültigkeit. Leider werden die zehn Gebote, nach denen wir leben sollten, nicht mehr so beachtet wie es eigentlich gemeint war.

Die kleinste Keimzelle eines normalen Lebens ist die Familie. Und hier liegt durch den heutigen Lebenswandel einiges im Argen. Seitdem 1623 die ersten Aufzeichnungen über den Zustand der Insel und deren Bewohner Eingang ins Kirchenbuch gefunden haben, wissen wir, wie die Einwohner damals gelebt haben. Nur, wer weiß das heute noch oder wer interessiert sich für die Geschichte unserer Inselkirche?

Es sind nur ganz wenige auf der Insel, die sich Gedanken darüber machen, wie das Leben früher war und wie es sich bis heute entwickelt hat. Viele Norderneyer meinten damals, sogar noch im 19. Jahrhundert, wenn es mit ihnen zu Ende ging: "Nach mir die Sintflut" - und dann vernichteten sie ihre nicht mehr benötigten Papiere und Bilder, den Rest haben die Erben gemacht. Der Grundgedanke dahinter war: Es war mein Leben und das geht niemanden etwas an.

Und heute? 90 Prozent der Fotos, auf denen Angehörige abgebildet sind, sind nicht beschriftet. Für Außenstehende ist es schwer, die Bilder zu deuten. So sind auch viele frühere Pastorenbilder nicht beschriftet, und es ist heute nicht mehr möglich, die Namen der abgelichteten Personen festzustellen. Aber einiges ist doch noch erhalten geblieben, sodass heute noch eine Biografie über dies und das geschrieben werden kann.

Die ersten Bücher über unsere Insel haben 1853 der Norderneyer Pastor in der 16. Rangfolge Carl-Gerhard Reins und 1930 der Landrat Dr. Benno Eide Siebs geschrieben und veröffentlich. Auf diesen beiden Büchern beruhen viele nachfolgende Schriften, die diverse Autoren über unser Eiland geschrieben haben.

Der bisher am längsten amtierende Pastor auf der Insel, Wilhelm Fischer (allen älteren Norderneyer gut bekannt) war von 1925 bis 1959 Seelsorger auf der Insel. Zuerst war er um 1925 als Pastor Coll. (auf Probe, Hilfsprediger) tätig. Dann hat er 34 Jahre lang viele Einwohner getauft, konfirmiert und getraut. Einige hat er auch zum Friedhof begleitet. Wegen seiner Liebe zur Insel hat er 1929 zum 50-jährigen Bestehen der neuen Kirche die Chronik der Insel-Kirche in der Badezeitung veröffentlich. Immerhin zwei volle Zeitungsseiten sind es geworden.

Darin ist auch folgende Geschichte zu lesen: Früher waren viele Kirchenvorsteher selbstständige Kaufleute und Handwerksmeister. Um 1900 hat ein Kaufmann aus der Strandstraße auf einer Kirchenvorstandssitzung vorgeschlagen,manmöge einen Klingelbeutel für eigene Kirchenzwecke verwenden und die sonstige Kollekte zur preußischen Landkirche weiterleiten. Der Vorschlag wurde angenommen und nach einer Überlieferung so viele Jahre praktiziert. Heute undenkbar.

Erwähnenswert für die Ahnenforschung und Überlieferung ist ein Meisterstück, das "Ortssippenbuch" von Jörg Aggen. Sehr interessant ist das 2018 erschienene Buch "Die ev.-luth. Inselkirche von Norderney" von Christoph Lücke mit umfangreichen Recherchen. Rektor i.R. Georg Kampfer hat mit seinen vielen Schriften über die Historie der damaligen Pastoren und Inselbewohner zur Bewahrung der Geschichte beigetragen. Diese sind auch in der "Chronik Norderney" von Hans-Helmut Barty im Internet nachzulesen.

Über den Fortbestand unserer Kirche wird man sich sicher keine Sorgen machen müssen. Solange auf dem Insel-Friedhof bei Beerdigungen noch gemeinsam das "Vater unser" gebetet und dabei die Kopfbedeckung abgenommen wird, kann man erkennen, dass die Einwohner noch eine Gemeinschaft bilden, und bei Notzeiten jeglicher Art unsere Kirche "ein feste Burg" ist. So sollte es jedenfalls sein.

Klingelbeutel
Das Foto ist eine Montage und soll verdeutlichen, wie man den Inhalt eines der vier Klingelbeutel für die Insel-Kirchenzwecke bestimmen könnte. Eva Wirsing und ihre Mitstreiterinnen im Handarbeitskreis haben die mehr als 100 Jahre alten Beutel in aufwendiger Arbeit renoviert und sind sicher auch in der Lage, einen Norderney-Sticker fachgerecht anzubringen. Das könnte die Spendenbereitschaft der Kirchgänger anregen.

Hafen um 1950
Das Foto zeigt den Hafen um 1950. Rechts oben ist das ehemalige Fliegerhorst-Gelände zu erkennen. Das Beton-Gelände vom Hafen bis zum Anfang des Weststrandes wurde von den Engländern gesprengt. Hierbei wurden alle paar Meter Sprengsätze gezündet, welche die Landschaft in eine Kraterlandschaft verwandelten, wie heute noch zu sehen ist. Die Löcher sind inzwischen mit Sand gefüllt und Gras ist darüber gewachsen. Im rot umrandeten Kreis sieht man die letzten Fischkutter der einmal stolzen Norderneyer Fischerflotte. Der letzte aktive Berufsfischer war Johann Claussen, der Bruder von Karl Claussen (213). Er stellte 1972 aus Altersgründen den Fisch- und Krabbenfang mit seinem Kutter "Hertha" ein. Im Jahr 2018 passt der Spruch seines Bruders Karl gut: "Die Zukunft liegt im Hafen".

Emil Stuhr
Auf dem Bild sieht man Emil Stuhr (212), wie er leibt und lebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er beim Bauhof der Stadt angestellt. Er war Spezialist in der Kanalkolonne und kannte den Zustand der gesamten Rohrleitungen auf der Insel. Als ab 1990 das Lied "Herzilein" der Wildecker Herzbuben häufig im Fernsehen lief und zu einem Ohrwurm wurde, sang Stuhr es gern bei Feierlichkeiten im Kreis der Kollegen.

Ausschnitt aus dem Ortssippenbuch
Hier ein Ausschnitt aus dem Ortssippenbuch von Jörg Aggen. Die Eintragungen reichen von 1688 bis 1900. Leider gibt es keine Fortsetzung. Somit sind Kinder, die nach 1900 geboren wurden, nicht eingetragen. Ein gutes Beispiel ist der Eintrag der Großeltern des Autors Bonno Eberhardt. Sechs Kinder sind aufgezählt, aber die beiden Jungen Ludwig und Georg, die nach 1900 geboren wurden, sind nicht mehr aufgeführt. Das Sippenbuch ist für Norderneyer die beste Quelle für ihre Ahnenforschung.

Kinderfest der Freiwilligen Feuerwehr
Jacob Rüter (214) war auch Feuerwehrmann. Auf dem Bild von 1925 ist er rechts oben mit seinen Kameraden auf dem Kinderfest der Freiwilligen Feuerwehr zu sehen, das auf der Wiese vor dem Waldcafé Booken gefeiert wurde. Dieses Ereignis war für die Kinder, Familien und die Feuerwehrleute immer ein fröhliches Beisammensein.

Erhard Bents
Das Bild entstand im März 2017 bei der Jahreshauptversammlung des TuS Norderney. Hier wurde Erhard Bents (links, 217) für seine 70-jährige Mitgliedschaft im Verein geehrt. Die Urkunde und ein Präsent überreichte der Vorsitzende Manfred Hahnen (rechts).

Herzilein (212)
Emil Stuhr, Frisiastraße 27, war als Arbeiter in der Abwasserkolonne bei der Stadt beschäftigt. Emil Stuhr wuchs bei seiner Großmutter und seiner Tante auf. Er war als Kind immer etwas scheu und zurückhaltend. Deshalb gab ihm seine Großmutter den Beinamen "Herzilein". 1916 sind die Stuhrs von Neßmersiel nach Norderney gezogen.

Will rut (213)
Karl Claussen, An der Schanze 1, war Fischer. Claussen hatte einen Fischkutter und wollte immer bei normalem Wetter zum Fischen rausfahren. Dann aber überlegte er oft, ob er sein Vorhaben auch in die Tat umsetzen sollte. Mitunter kamen ihm Zweifel und er blieb auch bei schönstem Wetter zu Hause und sein Kutter "Zukunft" blieb im Hafen angeleint. So bekam er von seinen Partsleuten (Helfer) den Beinamen "Will rut" (will raus). Seine Redensart war dann: "Die Zukunft liegt im Hafen."

Rütentüt (214)
Jacob Ruiter, Wiedaschstraße 11, war Arbeiter. Ruiter verdiente sich durch den Verkauf von Räucherfisch etwas zu seinem Lebensunterhalt dazu. Er räucherte Schellfisch und lief dann mit einem Korb voll geräucherter Ware durch den Ort. Beim Verkauf wickelte er aus einer alten Zeitung eine Tüte, und der Kunde bekam so einen frischen, eingepackten Fisch. Er war darin sehr geschickt und die Norderneyer gaben ihm den Beinamen "Rütentüt" (von Ruiter und Tüte).

Magenta (215)
Maria Visser, Hafenrestaurant, war die Frau von Harm Visser. Er war von Beruf Wirt und um 1935 Pächter des Hafenrestaurants. Seine Frau Maria Visser stand hinter dem Biertresen und bediente ihre Kundschaft. Ihre Lieblingsfarbe war Magenta (blaurot) und so kleidete sie sich auch. Anzumerken ist: Familie Visser hatte einen Sohn Herbert. Er war lange Jahre Fußballtrainer im TuS Norderney und so wurde die Familie noch bekannter auf der Insel.

Siebelt Pootji (216)
Siebelt Nordmann, Friedrichstraße 26, war um 1935 selbstständiger Schlachtermeister. Gelernt hat er sein Handwerk bei dem jüdischen Schlachtermeister Moses Lemmersmann in der Karlstraße 6. 1935 gab es auf Norderney etwa acht Schlachtereien. Um diese alle auseinander zu halten, bekam Nordmann den Beinamen "Pootji" (Schweinepfoten).

Pöschl (217)
Erhard Bents, Halemstraße 18, war Maurer und Hobby-Fußballer im TuS Norderney. Er spielte um 1950 als Mittelstürmer, und seine Mitspieler gaben ihm den Beinamen "Pöschl", nach Hans Pöschl der für Werder Bremen spielte.


Ökelnaam

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Teil 8 - 15.12.2017
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Teil 10 - 05.01.2018
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