Ortshandwerker-Seite 28 - Norderney - Chronik einer Insel

Insel Norderney
53° 42' 26" N 7° 9' 22" E
Norderney - Chronik einer Insel
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100 Jahre Ortshandwerkerschaft Norderney - Seite 28

"Absoluter Materialmangel bei den Handwerksbetrieben"

Das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 bedeutete den militärischen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands. Viele Städte und Landstriche glichen Trümmerhaufen bzw. waren verwüstet. Unzählige Menschen waren obdachlos, die Produktionsstätten zerstört die Betriebe ohne Material, deren Inhaber in Kriegsgefangenschaft oder tot - chaotische Verhältnisse, aus denen kaum Wege zu führen schienen. Doch es gelang! Die britische Besatzungsmacht sah es als unabdingbar an, mit einer unter britischer Kontrolle stehenden deutschen Verwaltung, die existenziellen Probleme der Bevölkerung zu lösen, die Wirtschaft flottzunmachen und mit dem Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur zu beginnen.

Für Norderney bedeutete dies Wiederaufnahme des Badebetriebes. "Andere Möglichkeiten bestehen nicht", wie Bürgermeister Carssen Lührs in seinem "Bericht über die allgemeine Lage" vom 10. Oktober 1945 schreibt. In den zurückliegenden Jahren konnten keinerlei Reparaturen an den Gebäuden ausgeführt werden. Die Kaufleute standen vor leeren Regalen. An Textilwaren, Schuhwaren und Gebrauchsgegenständen war nichts mehr vorhanden. "Ein absoluter Materialmangel liegt auch bei den Handwerksbetrieben. Sowohl das Baugewerbe als auch das Malergewerbe können wegen Materialmangels wenig ausrichten." Improvisation war gefragt, mit wenig Material, welches z. T, als "Beutegut" aus den Beständen der Wehrmacht organisiert werden konnte.

Zum 15. Juli 1946 genehmigte die britische Militärverwaltung, die auf Norderney ein Erholungszentrum ("Leave Center") betrieb und dafür größere Hotels und die wichtigsten Badeeinrichtungen beschlagnahmt hatte, auch eine beschränkte Aufnahme von Kurgästen. 12.000 waren es am Ende der ersten Nachkriegssaison, im Jahr darauf bereits 35.000. Noch mußte man mit dem Mangel und einer wertlosen Währung, der Reichsmark. "... mehr schlecht als recht leben". Mit der Einführeng der D-Mark am 20. Juni 1948 füllten sich wieder die Schaufenster mit Verbrauchsgütern. Bald gab es all das zu normalen Preisen, was zuvor nur auf dem Schwarzmarkt zu haben war. Die Handwerker konnten sich mit Material eindecken und für fachgerechte Arbeit gab es gutes Geld. Trotz des zunehmenden Fremdenverkehrs blieben auf der Insel zunächst viele Menschen ohne Arbeit. Noch 1950 waren mehr als 600 Personen arbeitslos (10%), deren Zahl sich auch mit Beginn der Saison kaum verringerte. Die Stadt versuchte mit Unterstützung des Landes durch Notstandsarbeiten die Lage zu verbessern. Als sehr vordringlich wurde die Beseitigung der Wohnungsnot angesehen, da die Bevölkerung durch Flüchtlingszuweisungen (1.800 Flüchtlinge und Vertriebene) auf 8.127 (1939: 5.171) zugenommen hatte. 1951 besuchten mehr als 50.000 Gäste die Insel, im Jahr darauf -das "Leave Center" wurde aufgelöst- stieg die Zahl der Gäste auf fast 68.000 an, ein Höchststand in der langen Geschichte des Seebades.

Durch die Schaffung neuer Bade- und Freizeiteinrichtungen sowie die Ausweitung und Modernisierung von Unterkünften konnte die Attraktivität des Nordseeheilbades verbessert werden. Neue Ver- und Entsorgungseinrichtungen, Wohnungs- und Straßenbau haben eine zeitgemäße Infrastruktur geschaffen. Von dieser Entwicklung hat das Handwerk profitiert, sie im wesentlichen auch erst möglich gemacht.
Chronik der Insel - Ortshandwerker (Seite 28)
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