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Insel Norderney

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Das Jahr 1997
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Zwei Tage war das Denkmal verhüllt

Anzeige in der NBZBei der Denkmalverhüllung am vergangenen Sonnabend waren sicherlich ebenso viele Menschen rund um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal versammelt, wie bei der Enthüllung am 2. September 1899. In einer Stammtischrunde der Gaststätte "Goode Wind" wurde die Idee von Sportsfreunden der TUS-Tischtennisabteilung geboren. Es war ein großes Fest, für das kräftig die Werbetrommel gerührt wurde, um der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger einen guten Erlös zukommen lassen zu können.
Bereits vor 17 Uhr, dem Beginn des "Kulturereignisses", drängten sich hunderte Gäste und Einwohner dicht um den Veranstaltungsort. Bis zum Höhepunkt gab es ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm, durch das gekonnt als "Zeremonienmeister" Klaus Trepisor führte. Viel Spaß wünschte allen Anwesenden Kurdirektor Garrelf Remmers. Er machte dabei auf das Kuriosum aufmerksam, daß in den Publikationen offensichtlich keine Klarheit über die Anzahl der Steine herrschte.
Große Begeisterung löste der erstmalige Auftritt der Bigband der KGS-Norderney aus. Marian Gigla hat es offensichtlich wieder einmal geschafft, mit seinem Elan die Schüler mitzureissen. Man freut sich schon jetzt auf weitere Auftritte dieser Schülerformation. Weiteren Schwung auf den Festplatz brachten "The Sailors", der Musikzug der Feuerwehr und der Auftritt des Heimatvereins.
Die Verhüllung klappte ohne besondere Schwierigkeiten. Jürgen Gamers aus Friesoythe, der mit einer Norderneyerin verheiratet ist, hatte aus dem weißen Satin die 220 Quadratmeter große Hülle genäht, die an vier Leitseilen heruntergelassen wurde. Kräftiger Beifall der unzähligen Zuschauer belohnte den krönenden Abschluß. Zu Gunsten der Seenotrettungsgesellschaft wurde eine Tombola durchgeführt und als weiterer Höhepunkt eine Seenotkreuzerflagge sowie ein Namensschild der "Otto Schülke" meistbietend versteigert. Einem Norderneyer Hotelier war dies über 2.200 DM wert.
Bis in die Nacht wurde noch kräftig gefeiert und schließlich gestern abend von den Verhüllern das steinerne Denkmal wieder enthüllt allerdings ohne Ehrenjungfrauen, wie sie anno dazumal vorzufinden waren.
Um den Zuschauern die Geschichte des huldigenden Denkmals zu erläutern, wurde dies vom Stadtarchivar zu Papier gebracht und auf dem Fest verteilt.

Zur Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf Norderney

Bereits zu Lebzeiten erfreute sich Kaiser Wilhlem I. - der "Heldenkaiser", Sieger über Dänemark, Österreich und Frankreich - bei seinen Untertanen großer Verehrung und Bewunderung. Als er 1888 hochbetagt verstarb, verklärte sich die Erinnerung zum Mythos und führte zur Gründung unzähliger Denkmalkomitees, welche im ehemaligen Deutschen Reich mehr als hundertzwanzig Kaiser-Wilhelm-Denkmäler errichteten. Die wohl bekanntesten stehen am Deutschen Eck bei Koblenz, an der Porta Westfalica und auf dem Kyffhäuser. Aufgabe dieser Denkmäler war nicht allein die Erinnerung und Würdigung des Kaisers, sondern gleichzeitig waren es Sinnbilder des nationalen Gedankens, der Reichseinigung von 1871, und auch des Herrschaftsanspruches der Hohenzollern-Dynastie.
"Auch im Deutschen Meere, auf seiner schönsten und bedeutendsten Insel Norderney", sollte ein Denkmal an "Wilhelm den Großen" und an die Reichseinigung von 1871 erinnern. Es war der Pfarrer Weber aus Mönchengladbach, der während der Sedansfeier des Jahres 1889 den Denkmalsgedanken aufwarf und unter den anwesenden Gästen eine spontane Geldsammlung ausführte. Bereits am Tag darauf, dem 3. September, nahm sich das Kurparlament - die Interessenvertretung der Norderneyer Kurgäste - der Denkmalseinrichtung an, gründete ein Denkmalskomitee und verpflichtete Bade- und Gemeindeverwaltung zur Durchführung des Projektes.

In seinen Beratungen entschloß sich das Komitee, von hergebrachten Kaiserstandbildern abzusehen und eine "Bronze-Büste von Kaiser Wilhelm I." auf einem steinernem, pyramidenförmigen Unterbau aufzustellen. Der Erbauer des Berliner Reichstagsgebäudes, Geheimrat Paul Wallot, legte 1891 einen Entwurf vor, welcher einen hohen Obelisken auf einem monumentalen Sockel vorsah. Als Standort war die Promenade in Verlängerung der Bismarckstraße vorgesehen. Dieser Plan scheiterte an den hohen Kosten von 40000 Mark. Nun wurde der Bildhauer Georg Küstardt (Hannover) beauftragt, ein verkleinertes Denkmal - den örtlichen Gegebenheiten angepaßt - nach dem Wallot'schen Entwurf zu schaffen.
Als neuer Standort des Denkmals wurde der Kreuzungsbereich der Friedrich/Knyphausenstraße in der Einmündung des Herrenpfades vorgesehen, andere Aufstellungsorte wie Kurplatz und Marienhöhe wurden von der Königlichen Regierung nicht genehmigt. "Gegen die Wahl dieses Platzes (Marienhöhe) ist das Bedenken erhoben worden, daß in derselben eine Verletzung der Pietät gegen das frühere Hannoversche Könighaus erblickt werden könnte, weil die Marienhöhe ein Lieblirungsaufenthalt der Königin Marie von Hannover gewesen und nach derselben benannt worden ist.
Am Sedanstag 1898 erfolgte die Grundsteinlegung des Denkmals. Gestiftete Steine von 75 deutschen Städten, Provinzen und privaten Stiftern wurden von dem Unternehmen der Gebrüder Küstardt, Hildesheim, zu einem Obelisken zusammengefügt. Die Stirnseite des Denkmals schmückte die Büste von Kaiser Wilhelm I., auf die Spitze des Denkmals wurde ein Bronzeadler gesetzt und zur Einfriedung dienten Ankerketten. Auf einer Plakette war der Spruch "Vom Fels zum Meer!" Kaiserbüste, Adler und Plakette wurden 1917 als Metallspende zur Fertigung von Kanonen vom Denkmal entfernt. Seit Mitte der 30er Jahre nimmt eine von der Stadt Norderney gestiftete Möwe diesen Platz ein.
Am 2. September 1899 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht. Als Vertreter des Kaisers nahm Admiral Karcher, Chef der Marinestation der Nordsee, daran teil. Der Initiator des Denkmals, Pfarrer Weber aus Mönchengladbach, führte in seiner "zündenden Festrede" zum Denkmalsgedanken aus: "So ist es nun fertig, am Strande des rauschenden deutschen Meeres, in der Verlängerung einer Bismarckstraße, das Denkmal, das aus Felsgestein von fast allen deutschen Bergen getürmt ist und über dem der Hohenzollernadler schwebt, groß, wuchtig, gewaltig und doch schlicht und einfach, wie es Kaiser Wilhelm I. und dem Hohenzollernhaus entspricht. Predigen sollen ja diese Steine Kindern und Enkeln, Einheimischen und Fremden von des Hohenzollemhauses und von Kaiser Wilhelm des Unvergeßlichen, des ebenso Siegreichen wie Demütigen, Würde und Majestät, Sieg und Segen... Und so bleibe, Du Denkmal, ein Wahrzeichen allen kommenden Generationen, daß es auch hier zu Norderney und im schönen Ostfriesenlande allzeit gehe nach der Losung: "Mit Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Reich!"
Fast zwanzig Jahre später war es mit dem geeinten Reich von 1871 vorbei, der Hohenzoller Wilhelm II. suchte Zuflucht in Holland und das Deutsche Reich von 1871 hatte sich durch Gebietsabtretungen erheblich verkleinert. Das KaiserWilhelm-Denkmal auf Norderney ist demnach ein Symbol von einst erlangter Einheit, Macht und Herrschaft, aber auch von nationaler Selbstüberschätzung, welche in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges führte. Das Denkmal steht für den Zeitgeist der Wilhelminischen Ära.

Herkunft der Steine

Aachen, Altenburg/Sachsen, Altona, Aschaffenburg, Baden-Baden, Barmen, Berlin, Beuthen/Oberschlesien, Bonn, Prvinz Brandenburg, Braunschweig, Bremen, Chemnitz, Coburg, Dresden, Eisleben, Elberfeld, Elbing, Bad Ems, Erfurt, Erlangen, Essen, Fehrbellin, Flensburg, Frankfurt, Freiberg/Sachsen, Freiburg/Baden, Gera, Görlitz, Hagen, Halle, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Hildesheim, Hof a.d. Saale, Burg Hohenzollern, Kaiserslautern, Kassel, Kempten, Kiel, Bad Kissingen, Kitzingen/Bayern, Köln, Königsberg i. Preußen, Krefeld, Leipzig, Lübeck, Lüdinghausen, Mannheim, Metz, Mühlhausen/Thüringen, München, Neuwerk im Harz/Rübeland, Nürnberg, Offenbach, Pforzheim, Planen/Vogtland, Provinz Posen, Bad Reichenhall, Rostock, Schweinfurt, Spandau, Straßburg, Stuttgart, Weimar, Wetter, Wildemann/Harz, Wiesbaden, Würzburg, Ulm, Zwickau, Fürst v. Pless/ Waldenburg i. Schlesien, Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein Osnabrück, bei einem Stein ist die Herkunft unklar.

Bericht der NBZ 02.09.1997 Bericht der NBZ 02.09.1997

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