Die Baltrumer Kirche auf Norderney

Berichte aus Heim und Herd - Ostfriesischer Kurier 10.12.2011
Inselgeschichte: Akten im Staatsarchiv Aurich geben Auskunft - Verlagerung
Der Autor und KURIER-Mitarbeiter, aus dessen Nachlass dieser Beitrag stammt, ist vor einigen Monaten in Norden verstorben.
VON GERHARD CANZLER

Die älteste bekannte Kirche der ostfriesischen Insel Baltrum - um 1650 oder früher erbaut - stand auf dem östlichen Teil des heute zu Norderney gehörenden Territoriums. Das ist aus den erhalten gebliebenen Kirchenakten aus dieser Zeit nachzuweisen. Die Dokumente befinden sich im Staatsarchiv Aurich.

Das einstige Gotteshaus, an der Westseite Baltrums gelegen, musste infolge von Sturmfluten, die eine Verlagerung der Insel in östliche Richtung verursachten, abgebrochen werden und wurde um 1700 in nur relativ geringer Entfernung östlich davon wieder aufgebaut. Die als kostbar geltenden Steine der alten Kirche wurden dabei wiederverwendet.

Wie in der hier veröffentlichten Lagezeichnung vom heutigen Ostteil Norderneys und dem Westteil Baltrums vor 1650 beziehungsweise nach heutiger Position dargestellt, stand dieses Gebäude an der Stelle, wo sich heute die Wichter Ee, das Seegatt zwischen Norderney und Baltrum befindet.

Die dritte Baltrumer Kirche wurde nach abermals einem halben Jahrhundert - wiederum unter Verwendung von. Klostersteinen aus dem Mauerwerk der früheren Kirchenbauten - nordöstlich davon errichtet. Dass sich der Ortsmittelpunkt Baltrums entsprechend ebenfalls östlich verlagerte, ist logischerweise anzunehmen.

Skizze der Insel Baltrum  Vergrößern

Die bereits nach 30 Jahren errichtete und 1808/09 abgebrochene vierte Inselkirche befand sich wie die 1825 durch die damalige große Sturmflut zerstörte Pastorei auf dem heute zu Baltrum gehörenden Gelände (vgl. die Zeichnung).

Die 1826 abgebrochene (alte) Inselkirche ist heute noch vorhanden. Die jetzige lutherische Kirche ist östlich davon 1930 neu erbaut worden. Der Bau des katholischen, Gotteshauses wurde 1957 abgeschlossen.

Die angesprochene Verlagerung der Ostfriesischen Inseln in Ostrichtung insgesamt mit der Anlandung der fortgespülten Sandmassen jeweils an der Ostseite der Inseln wurde erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch die systematisch vorgenommene Befestigung der Uferböschungen an der gefährdeten Westseite unterbrochen und - mit Ausnahme der Vogelschutzinsel Memmert - schließlich verhindert.