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Norderney Kurier (Serie erschien vom 04.07.2014 - 06.03.2015)

Selbst gebauter Laubenstand in den Norddünen als Aussichtspunkt - Soldaten wohnen im Haus am Wahrzeichen

Eine selbstbewusste Gruppe. Diese Gruppe unter der Leitung eines Unteroffiziers hat sich diesen "Laubenstand" aus Schilf, Stroh und Birkenästen sowie eingesammeltem Strandholz selbst in den Nord-Dünen als Schutzhütte und "Aussichtsstand" gebaut. Den Eingang hatten sie nach Süden ausgerichtet, um so die Sonne in ihrer "Laube" einfangen zu können. Die Landsturmmänner gehörten zum "Abschnitt Leuchtturm" und wohnten in dem großen Leuchtturm-Wohnhaus, wo auch zu der Zeit der Leuchtturmwärter Gieseler mit Familie wohnte. Das Dach der Schutzhütte haben sie in Form einer Pickelhaube gebaut. Die Schutzhütte stand in der Nähe der Rettungsstation "Ost" der DGzRS, welcher 1862 auf Norderney gegründet wurde. Im selben Jahr wurde der "Rettungsschuppen" in Steinbauweise gebaut. Der Sandweg dorthin verlief vom Südstrand aus, und in Höhe des Leuchtturmes bekam dieser Sandweg eine 90-Grad-Schwenkung und führte dann östlich des Leuchtturmes in Richtung Nord zum Strand. Dieser Weg wurde auch von den Landsturmmännern des Abschnitts "Leuchtturm" genutzt, umso zu ihrer "Schutzhütte" zu gelangen und von dort aus ihre Streifengänge am Strand durchführten. Einige der Männer müssen auch Gartenliebhaber gewesen sein. Man sieht es an den kleinen Beeten, die sie vor der Hütte angelegt und mit Birkenästen liebevoll eingefriedet haben. Die Hütte so zu bauen, war wahrscheinlich die Idee des Tischlermeisters Janssen aus der Roonstraße gewesen, der auch als Unteroffizier die Verantwortung über diese Gruppe hatte. Eigentümer des Wohnhauses am Leuchtturm war das Wasser- und Schifffahrtsamt Norden, heute in Emden beheimatet. Einige Zimmer des Wohnhauses wurden damals auch als Unterkunft für die Norderneyer Soldaten genutzt. Einquartiert waren die Gruppen der "Vogelkolonie" (nur im Winter) und die Gruppe "Tünn Baak".

Der Fall Johann Schmidt

Leider ist es heute sehr schwer, von Personen, die auf den alten Fotos abgelichtet sind, deren Namen und Herkunft zu erfahren. Angehörige und Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben. Nach Recherchen über den Unteroffizier Johann Schmidt (vielleicht Osterstraße oder Schafsweg) bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen: Das Fotoalbum der "Inselwache" hat Hermann Boomgarden(Winterstraße) angelegt. Boomgarden hat nämlich alle eingeklebten Fotos selbst fotografiert. Er hat die Gruppenaufnahme von den Land-Wehrmännern vor dem Wohnhaus des Leuchtturmwärters Gieseler (Bild unten rechts) gleich zweimal in das Album eingeklebt. Einmal mit dem Gedicht "Mien Nördernee" von Jan Janssen, der auch abgebildet ist, und einmal mit dem Nachruf für den Unteroffizier Johann Schmidt von seinen Kameraden. Leider sind keine Namen der Abgebildeten dazu geschrieben worden. Da aber auf dem Bild nur ein Unteroffizier in der Mitte (X) zu erkennen ist, müsste es sich hier um Johann Schmidt handeln. Das würde das Gruppenfoto zusammen mit der Todesanzeige erklären (Bonno Eberhardt im Mai 2008).

Mien Nördernee

Jan Janssen hat das Norderneyer Gedicht "Mien Nördernee" geschrieben. Die Norderneyer Motive hat der Buchdruckerlehrling Alfred Mai im Schulfach Graphik gezeichnet. Hiervon wurde eine Postkarte gedruckt und der Verkaufserlös ging an Janssen, als Unterstützung für sein langes Krankenlager. Gewohnt hat er mit seiner Familie zuletzt am Damenpfad 4.

Nachruf

Johann Schmidt wurde noch Anfang September 1917 mit seinen Kameraden aus Norderney an die Front in Frankreich abkommandiert und starb an einer heimtückischen Krankheit im Alter von 31 jahren. Alle die, auf der Todesanzeige als gedenkende stehenden Norderneyer Kameraden, wurden zusammen mit Johann Schmidt von der Inselwache nach Frankreich in ein Feldrekruten-Depot einer Infanterie-Division versetzt.

Übung

Sonntag im Sommer gewesen sein. Der Zivilist und der Uniformierte haben ihren "Sonntagsstaat" angelegt. Der Leuchtturmwärter Gieseler (links) und sein "Jagdfreund" Feldwebelleutnant Hermann Beckmann üben am Strand mit den Karabinern der Inselwache. Wie hat Beckmann wohl die verschossene Munition mit der Verwaltung abgerechnet?

Gruppenfoto zur Erinnerung

In Gruppenfoto zur Erinnerung. Heute noch zu erkennen: Kaufmann Heinrich Ihmels, Ordonanz (nummer 1), Tischlermeister und Unteroffizier Janssen (2), Baustoffhändler Hermann Boomgarden (3) und Sanitäter Stegfest (4).

Land-Wehrmänner vor dem Wohnhaus des Leuchtturmwärters Gieseler

Land-Wehrmänner vor dem Wohnhaus des Leuchtturmwärters Gieseler. Noch zu erkennen: Johann Schmidt, Unteroffizier (X), Tjark Schmidt, Gaswerk (1, vorn, Dritter von links), Hinrich Eberhardt, Bäckermeister (2), Johann Janssen, "Lüttji David", Tischlermeister (3) und Jan Janssen, Buchdrucker (4).


Die Inselwache

Teil 1 - (04.07.2014)
Teil 2 - (11.07.2014)
Teil 3 - (18.07.2014)
Teil 4 - (25.07.2014)
Teil 5 - (01.08.2014)
Teil 6 - (08.08.2014)
Teil 7 - (15.08.2014)
Teil 8 - (22.08.2014)
Teil 9 - (29.08.2014)
Teil 10 - (05.09.2014)
Teil 11 - (12.09.2014)
Teil 12 - (19.09.2014)
Teil 13 - (26.09.2014)
Teil 14 - (02.10.2014)
Teil 15 - (10.10.2014)
Teil 16 - (17.10.2014)
Teil 17 - (24.10.2014)
Teil 18 - (31.10.2014)
Teil 19 - (04.11.2014)
Teil 20 - (14.11.2014)
Teil 21 - (21.11.2014)
Teil 22 - (28.11.2014)
Teil 23 - (05.12.2014)
Teil 24 - (12.12.2014)
Teil 25 - (19.12.2014)
Teil 26 - (02.01.2015)
Teil 27 - (09.01.2015)
Teil 28 - (16.01.2015)
Teil 29 - (23.01.2015)
Teil 30 - (30.01.2015)
Teil 31 - (06.02.2015)
Teil 32 - (13.02.2015)
Teil 33 - (20.02.2015)
Teil 34 - (27.02.2015)
Teil 35 - (06.03.2015)
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