Norderney
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Der Spion des Bürgermeisters

Christian A. Dunkel war um 1900 Beamter der Gemeinde Norderney und Mitarbeiter des damaligen Bürgermeisters Adolf Klappert. Beide waren Beamte und hatten den Berufstitel "Sekretär". Dunkel hatte noch ein zweites Standbein: das Logierhaus "Villa Franziska" in der Friedrichstraße 1.

Dunkel kaufte jeden Morgen seine Zigarren im Tabakladen von Johann L. Hillrichs (später Meta Müller) in der Winterstraße. Hier kauften auch die einfachen Bürger ihre Rauchwaren, denn hier konnte man auch anschreiben lassen. Eines Tages standen an der Ecke Winter-/Schulstraße (Blau-Eck) die beiden Schuster Heeren und Bauermann und waren ins Gespräch vertieft. Als Meister Heeren den Gemeindesekretär Christian A. Dunkel sah, sagte er: "Kiek an, wenn van Dübel proten deist, kummt he al. Da kommt der Spion des Bürgermeisters." (Schau an, wenn man vom Teufel spricht, kommt er schon an.) Als Dunkel auf gleicher Höhe angekommen war, sagte er zu den beiden: "Guten Tag meine Herren, haben Sie über mich gesprochen?" Darauf sprach Bauermann: "Nein, nein, Herr Sekretär, Kollege Heeren hat nur gesagt: Wir bekommen noch Regen, von Süden ziehen dunkle Wolken auf." Dunkel lüftete seinen Hut, wünschte den beiden noch einen schönen Tag und ging in den Tabakladen. "Bitte fünf Zigarren der Sorte Prinz Heinrich und was gibt es Neues?" Da weiter keine Kundschaft im Laden war, antwortete der Verkäufer: "Herr Dunkel, es ist noch zu früh." Draußen aber, auf der Ecke, sagte Heeren noch zu Bauermann: "De will dor blos de Lü uthörn un hee kummt mit sein Beenwark ok beter dör de Winter, as wie beid." (Der will doch bloß die Leute aushören und er kommt mit seinem Beiwerk (gemeint ist der Verdienst durch das Logierhaus) besser durch den Winter, als wir beide.)

Diese Geschichte soll wahr gewesen sein und wurde damals bei Feierlichkeiten in einer Familie immer wieder erzählt. Ob es heute noch Spione gibt – wer weiß es? Heute im Computer-Zeitalter sind wir alle gläsern geworden.

Der Gemeindesekretär Christian A. Dunkel war einer der wenigen Verwaltungsbeamten auf Norderney, der sein im Amt erworbenes Wissen aufgeschrieben und der Nachwelt hinterlassen hat. Dunkel verfasste das Adressbuch von 1905 und beschrieb im Vorspann ausführlich die Geschichte Norderneys. Auch die Taxe für die Badezeit, Behörden und Institute wurden genau mit aufgeführt. Ein großer Teil war den Inseraten gewidmet, die heute sehr interessant zu lesen sind.

1954 wurde das letzte Adressbuch von der Buchdruckerei Otto Freund gedruckt. Danach kamen die Telefonbücher, welche aber Adressbücher nie ersetzen können. Im Internet unter Chronik-Norderney von Hans-Helmut Barty sind sieben Adressbücher von 1882 bis 1954 eingestellt, die bei Interesse heruntergeladen werden können.

Logierhaus von Dunkel
Christian A. Dunkel hat 1895 das Hand- und Adressbuch Norderney nach amtlichen Grundlagen bearbeitet. Dunkel war bei der Gemeinde angestellt und kam gleich nach dem Bürgermeister. Privat hatte er ein großes Logierhaus in der Friedrichstaße 1, welches mit allem Komfort der damaligen Zeit ausgestattet war. Die Zeichnung aus der Kaiserzeit zeigt das Logierhaus von Dunkel und gibt die damalige Bäderarchitektur wieder. Diese Häuser waren sehr arbeitsaufwendig zu bewirtschaften und durch die insulare Witterung sehr reparaturanfällig.

Franzosenhaus "Huus Püttjimöh"
Ernst Visser (Ernst Röttnöös) wohnte mit seiner Frau im ehemaligen Franzosenhaus "Huus Püttjimöh". Das Bild wurde im Zweiten Weltkrieg aufgenommen. Beim Abbruch war das Haus zirka 135 Jahre alt. Von Ernst Visser ist kein Bild vorhanden.

Eduard Hönnig (Graf Würden, rechts)
Eduard Hönnig (Graf Würden, rechts) war in der Sommersaison bei der Kurverwaltung als "Grünrock" tätig. Die Grünröcke hatten Polizeigewalt und sorgten am Strand und im Kurpark für Ordnung.

eine Arbeitskolonne
Das Bild zeigt eine Arbeitskolonne mit ihrem Chef Heinrich Pleines (rechts), der Baufirma Pleines & Co. Aufgenommen wurde das Foto zur Richtfeier um 1952, nach Fertigstellung der Küstenschutzarbeiten am alten "Soldatensteindeich". Cassen Rass (Cassen Branntwien) ist der Vierte von rechts (vorn, sitzend).

Großfamilie Schuster
Die Großfamilie Schuster wohnte in der Osterstraße 5. Das Hausdach war ganz mit Efeu bewachsen. In der Mitte steht Gerd Schuster (Lüttji Gerd). Seine vier Kinder hatten alle ihre Sonntagskleidung angezogen. Gut zu erkennen ist hier auch der Hoteldiener vom Hotel Ebeling, der rechts neben "Lüttji Gerd" steht.

Mister Erdung (74)
Adolf Hoffmann, Knyphausenstraße 20, war Elektriker und hat sich nach seiner Meisterprüfung selbstständig gemacht. Hoffmann legte großen Wert darauf, dass alle elektrischen Geräte und auch Sanitäreinrichtungen mit einem Erdungskabel gesichert wurden.

Cassen Branntwien (75)
Cassen Rass,Halemstraße 16, war Unternehmer (Löschkonsortium) und später Arbeiter. Er trank gern mal ein Gläschen Branntwein. Branntwein war ein billiger Schnaps und wurde früher vom Kaufmann aus einem großen Demijohn (Glasballon) in Flaschen abgefüllt. Die Flasche musste man mitbringen. Rass bekam von seinen Norderneyer Kollegen wegen seiner Vorliebe den Beinamen "Cassen Branntwien".

Cassen Napoleon (76)
Cassen Peters, Langestraße 34, war Arbeiter. Als Junge spielte er viel mit einem Sohn eines französischen Generals, der hier nach dem Ersten Weltkrieg auf Urlaub war.

Harm Tühl (77)
Harm Visser,Langestraße 34, war Arbeiter. Wenn er betrunken war, hatte er seine Hose vorn offen. Visser wohnte zusammen mit Cassen Napoleon (76) und Friedrich Visser in einem alten Fischerhaus, welches dem Schmiedemeister Herbert Bodenstab gehörte.

Ernst Röttnöös (78)
Ernst Visser, Wiedaschstraße 12, war Arbeiter und hatte eine rote und wund Nase. Er wohnte in "Huus Püttjimöh", ein ehemaliges Vorpostenhaus aus der Napoleonzeit.

Cassen Teewater (79)
Cassen Visser, Friedrichstraße 17, war Schuhmachermeister und musste zu Hause immer den Wasserkessel für die Tee-Zubereitung auf den Küchenherd stellen. Dazu musste er auch das Feuerungsmaterial aus dem Schuppen holen.

Graf Würden (80)
Eduard Hönnig, Jann- Berghaus-Straße 3, war Badeaufseher bei der Kurverwaltung und ein großer, stolzer Mann. Hönnig hatte vor dem Ersten Weltkrieg zwei Häuser – Nummer 2 und 3 an der Kaiserstraße – und musste diese in der Inflationszeit 1920 bis 1922 verkaufen. Die Familie zog zu ihrem Sohn Johann in die Jann-Berghaus-Straße 3. Er trug sein Schicksal mit Würde und gebrauchte dieses Wort des Öfteren.

Lüttji Gerd (81)
Gerd Schuster, Langestraße, war kleinwüchsig. Von Beruf war er Kutscher und fuhr den Hotelwagen von "Ebelings-Hotel" in der Adolfsreihe 10.

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