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Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 23.11.2018)

Strandgut wirft Fragen auf

"Das Geheimnis des Wracks" hieß die Überschrift zu einem Artikel am 16. Dezember 2017 in der Norderneyer Badezeitung. Darin ging es um ein Wrackteil, das im Bademuseum ausgestellt ist und dessen Herkunft untersucht wird. Diese spannende Geschichte ist es wert, sie weiter zu verfolgen.

Fündig wird man in der Norderneyer Chronik von Hans-Helmut Barty: Der Pastor und Maler Emil Zeiß (1833 bis 1910) war von 1866 bis 1874 mehrmals mit seiner Familie auf Norderney zur Erholung. Während seines Aufenthaltes fertigte er viele Skizzen mit Norderneyer Motiven an. Unter anderem malte er ein Schiffswrack, das am Nordstrand lag. Auf dem Bild sind Männer zu sehen, die mit Axt und Säge das hölzerne Gerippe abtakelten. Außerdem ist noch ein Teil der Beplankung am Bug dieses Schiffes zu sehen.

Es sieht aus wie das große Holzteil, das der Norderneyer Reitlehrer Arno Junkmann im Mai 2013 nach einem Sturm bei einem Ausritt am Nordstrand entdeckte. Junkmann stellte es sicher und übergab es nach vier Jahren dem Bademuseum. Die Museumsverantwortlichen bemühen sich jetzt, Licht ins Dunkel des Wrackteiles zu bringen.

Nun stellt sich die Frage, von welchem Schiff das Teil stammt. Hier das Ergebnis meiner Recherche, unter anderem in dem Buch "Schiffsunglücke an der Nordsee": Im 18. und 19. Jahrhundert trieben die Winde manchmal in rascher Folge Lastensegler auf den Inselsaum und bescherten den Inselbewohnern mal mehr, mal weniger reichlich Strandgut. Die Palette reichte von Tabak über Holz, Eisen, Kohle, englische Möbel, Mehl und Terpentin bis zu Zinn, Pflaumen und anderem.

Skizziert hat Emil Zeiß das Bild um 1866. Da das Wrack sehr versandet daliegt, müsste es schon viele Jahre vorher eine Havarie auf dem Schiff gegeben haben. Jeder Insulaner kennt das: Wenn etwas am Strand versandet, kommt es nach Jahren wieder ans Tageslicht. Die sich ständig verändernden Strandverhältnisse wie "Zoppsand"-Priele und Sandbänke machen diese Vorgänge möglich. Bestes Beispiel ist das heutige Wrack am Ende der Insel: der Muschelbagger "Pionier", der 1968 dort gestrandet ist. Das gezeichnete Wrack von Emil Zeiß ist vermutlich eine "Holländische Kuff" oder ein Fischerfahrzeug von Helgoland oder Schleswig-Holstein. Jedenfalls war es ein Flachwasserschiff, welches auch bei Hochwasser im Watt fahren konnte.

In der Zeit der Kontinentalsperre (1806 bis 1814) der Napoleon Zeit haben etwa an der Stelle, an der das Wrack auf dem Bild zu sehen ist, die Bootbesatzungen ihre Schmugglerware an die Norderneyer übergeben. Die brachten die Ware ans Festland. Ein solches Schmugglerschiff könnte es sein. Ein weiteres Indiz ist, dass nach mehreren Strandungen an dieser Strandstelle 1862 die Rettungsstation "Um Ost" in Höhe des Leuchtturmes gebaut wurde. Auffallend sind der "Vordersteven", vielleicht ein Galions-Steven, am Bug des ehemaligen Seglers und die Beplankung mit drei bis vier Zentimeter starken Brettern. Diese Bauweise war typisch für die holländischen Schiffe.

Die genaue Ursache, warum das Wrack dort lag, ist heute nicht mehr zu erfahren, aber nach den Unterlagen könnte es so gewesen sein, wie hier beschrieben. Ob das von Junkmann geborgene Beplankungsteil vom Wrack stammt, das Zeiß gemalt hat, ist die große Frage. Weitere Fragen wirft die Beschriftung auf dem Bild auf. Dort steht 7/8 Jan (?) 35 und vielleicht der Begriff "Vils".

Wrack
Wenn man darüber nachdenkt, warum Emil Zeiß dieses Motiv gezeichnet hat, kommt man zu dem Ergebnis: Es war für den Kurgast. Früher wie heute ist es ein Erlebnis, einen Tagesausflug zum Wrack zu machen. Es ist ja nicht alltäglich, dass ein Schiff auf dem Strand liegt. Für die Norderneyer war das Schiffsholz der gestrandeten Segler als Brennholz willkommen. Das getränkte, harte Holz verbrennt langsam im Ofen. Das Holz wurde mit Leiterwagen abtransportiert. Zu Hause hieß es dann: "Wi hebben Strandjid (Strandgut), un nun kann Winter kommen."

Holländische Kuff
Das Bild zeigt eine Holländische Kuff. Mit solchen Segelschiffen wurden Waren nach Helgoland und Schleswig-Holstein transportiert. Das Vorderteil der Kuff hat Ähnlichkeit mit dem gestrandeten Wrack auf Zeiß‘ Bild - so könnte es vor der Strandung ausgesehen haben.

Johann Fidi Rass
Johann Fidi Rass (125) als Vormann des Ruderrettungsbootes "Fürst Bismarck". Er war auch auf Motorbooten Vormann.

Lüttji Dün
Lüttji Dün (121) ließ sich nicht gern fotografieren. Am Mützenabzeichen erkennt man seine Verbundenheit zur Reederei Cassen Eils. In seiner Rentenzeit war der Hafen seine zweite Heimat. Der Kontakt zum ehemaligen "Shef" Gerhard Wedermann war ihm wichtig.

Ihno Pannkook Freese
Ihno Pannkook Freese (122) war Jäger aus Leidenschaft. Er war privat mit zwei seiner beruflichen Konkurrenten befreundet, die in der Nachbarschaft ihren Laden hatten: Heini Raabe (Konsum) und Abel Visser waren seine engsten Freunde.

Jonny Matz
Nachdem Jonny Matz (124) das Restaurant renoviert hatte, machte er daraus ein Stammlokal für junge Leute. Sein Kellner war Fritz Visser, der später "Die Klause" übernahm. Johann de Boer war bei den 18- bis 25-jährigen Norderneyer Handwerksgesellen sehr beliebt. Wenn Vereine ihre Jahresversammlungen abgehalten hatten, gingen sie noch auf ein Bier zu Jonny Matz. Auch die "Schwarzschlipser" (Handwerksgesellen auf der Walz) hatten dort ihr Domizil. Jonny Matz‘ zweites Standbein war im Sommer der Speiseeisverkauf. Im Keller hatte er eine kleine Bar, in der auch die Zeitschriften von Hans Müther gelesen wurden, der ab 1957 einen Zeitungskiosk neben der Veranda betrieb. Alles in allem war es eine gemütliche Kneipe.

1. Mai 1938
Auf dem Bild sitzt Bernd Kruse im Landauer (Nummer 2, 119). Kruse war Mitglied im Kriegerverein. Am 1. Mai 1938 wurden die Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg beim größten Umzug, den es je auf Norderney gab, im von zwei Pferden gezogenen Landauer im Gefolge aller Werktätigen mitgeführt.

Bäckerei Cornelius
Um 1900 entstand das Foto von der Bäckerei Cornelius (123). Die Bäckerei wurde vom Vater von Jakob Cornelius um 1882 gegründet. 1884 brannte das Haus ab und nach den Löscharbeiten wurde die Freiwillige Feuerwehr Norderney gegründet.

Jakob Cornelius
Jakob Cornelius (123) als Kirchenvorsteher der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde um 1900.

Duffert (119)
Bernhard Kruse, Poststraße 1, war von Beruf Kaufmann und betätigte sich in den Sommermonaten als Wattführer. Kruse war schwerhörig. Seine Liebe galt den Tauben-Vögeln. Duffer ist das plattdeutsche Wort für Täuberich.

Galama Hengst (120)
Alfred Uphoff, Gartenstraße 38, erlernte den Kaufmannsberuf im Reformhaus von Margarete Steinmeyer in der Friedrichstraße 19. Zu der Zeit kam ein neues Stärkungsmittel für Nerven und Herz unter dem Namen Galama-Tonikum auf den Markt. Uphoff bekam diesen Namen von seinen ehemaligen Klassenkameraden aus der Mittelschule. Später betrieb er lange Jahre das Reformhaus als Eigentümer.

Lüttji Dün (121)
Hermann Berg, Siedlung 64, war lange Jahre Kraftfahrer bei der Firma Gerhard Wedermann. Er musste mit seinem schweren Lkw in den 1950er-Jahren den Sand von Dünen abfahren, damit das Neubaugebiet Siedlung-Ost bebaut werden konnte. Da er von kleiner Statur war, gaben ihm seine Arbeitskollegen diesen Beinamen.

Ihno Pannkook (122)
Ihno Freese, Luciusstraße 22, war Kolonialwarenhändler. Wenn um die Mittagszeit noch viel Betrieb in seinem Laden war, sagte er zu seiner Frau: "Kannst heute für uns Pfannkuchen backen." So bekam er seinen Beinamen.

Jabk Stut (123)
Jakob Cornelius, Kirchstraße 11, war Bäckermeister mit eigener Bäckerei. Um 1927 gab es fünf Familien Cornelius. Weil Jakob Bäcker war, bekam er den Beinamen Jabk Stut (ein Stuten ist ein Weißbrot). So konnte man die Familien leichter auseinanderhalten. Jakob Cornelius war Kirchenvorsteher, seine Nachkommen vermachten sein Haus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde - das heutige Martin-Luther-Haus.

Jonny Matz (124)
Johann de Boer, Hafenstraße 14, war Bäcker und arbeitete viele Jahre in der Bäckerei Jakobs. In den 1960er-Jahren hat er das Café Matz in der Bismarkstraße gepachtet und betrieb es als Café mit Bierausschank. Daher der Name Jonny Matz.

Johann Fidi (125)
Johann Friedrich Rass, Jann-Berghaus-Straße 84, war gelernter Seemann und Rettungsbootführer auf Rettungsbooten, die hier stationiert waren. Eine Abkürzung seines Vornamens wurde sein Beiname. Nach ihm waren Beiboote von Rettungskreuzern benannt.


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